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12-02-19 02:59:00,

„Journalist des Jahres“, „Cinema For Peace“,, „Grammys“: In den letzten Tagen häuften sich Veranstaltungen der Meinungsmache durch „Kultur“. Die für sich bedeutungslosen Ereignisse verschmelzen zur wirkungsvollen Erzählung vom guten Westen. Auch die hochverdiente Berlinale bleibt nicht ganz unberührt. Von Tobias Riegel.

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Zentrales Element der Selbstversicherung von Redakteuren großer deutscher Medien sind Medien-Preise. Dass diese Ehrungen ganz überwiegend keine Publikumspreise sind, sondern von Journalisten an Journalisten übergeben werden, ist der Realität geschuldet: In der gegenwärtigen medienkritischen Atmosphäre würde sich wohl kaum ein „Alpha-Journalist“ dem Risiko einer öffentlichen Abstrafung durch die erboste Leserschaft aussetzen. Zu diesen internen und von der eigenen Kundschaft abgeschirmten Medien-Ritualen zählt auch der Titel „Journalist des Jahres“, den das Branchenblatt „Medium Magazin“ alljährlich und so auch am Montag verliehen hat.

Journalisten ehren Journalisten – Mit freundlicher Unterstützung der Daimler AG

Die Jury besteht laut „Medium Magazin“ aus rund 100 Personen – fast alle aus dem Dunstkreis der großen Medien, darunter Leiter journalistischer Ausbildungsstätten, professionelle Medienbeobachter und Journalisten. Möglich gemacht wird der Preis unter anderem „mit freundlicher Unterstützung“ der Konzerne Daimler AG, Otto Group und Total.

Überraschungen sind bei diesen Voraussetzungen nicht zu erwarten. Die Ausgezeichneten der letzten Jahre entstammen wie die Jurymitglieder ganz überwiegend dem Kreis der Mainstream-Journalisten großer deutscher Medien. Alternative Medien scheinen in der Wahrnehmung der Jury nicht vorzukommen. Im Gegenteil: So sehr die kritischen Medien ignoriert werden, so hemmungslos werden fragwürdige Produkte aufgewertet, etwa das Online-Medium „Buzzfeed“. Das sei laut „Medium Magazin“ längst „kein Clickbait-Portal mehr“, sondern es gelinge ihm „bravourös, gesellschaftlich höchst relevante Storys zu platzieren“.

Wirtschaft wird entschärft, Sport ideologisch aufgeladen

Da ist es passend, dass im Bereich „Wirtschaft“ nicht etwa Analysen zur gesellschaftlichen Ungleichheit, zu Vergehen der Finanzbranche oder zu anderen Verwerfungen der liberalen Wirtschaftsordnung ausgezeichnet werden. Statt dessen erklärte die Jury „Spiegel“-Recherchen zu den „Football Leaks“ zum relevantesten ökonomischen Thema des letzten Jahres.

Und während die Wirtschaft in dieser Form durch ein „leichtes“ Thema medial entschärft wird, kann der Sport über das Thema Doping mit Politik aufgeladen werden. Das „Medium Magazin“ rechnete dem „unermüdlichen und unerschrockenen“ ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt hoch an,

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