showdown-fur-den-kapitalismus

12-02-19 08:53:00,

von Jeff Cohen

Als junger Aktivist in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren hörte ich eine Menge marxistischer Dogmen von linksgerichteten Splittergruppen, die an großen Universitäten und in Städten verkündeten, dass „der Monopolkapitalismus auf seine finale Krise zuschlittert“. Fortwährend wurde vor einem apokalyptischen Niedergang gewarnt. Die Warnungen klangen absurd, besonders da Jahre vergingen, ohne dass wir dem endgültigen Zusammenbruch auch nur nahe gekommen wären – sie überzeugten mich nicht mehr als Jehovas Zeugen, die mit ihren Glaubenssätzen an meine Tür kamen.

Damals, bis in die frühen 1970er, expandierte die Wirtschaft, wuchs die Mittelschicht und wurden Gewerkschaften von den Fabrikbesitzern größtenteils toleriert. Der Kapitalismus US-amerikanischer Art begann, sich weltweit zu verbreiten.

Doch in letzter Zeit frage ich mich, ob diese Marxisten am Ende doch richtig lagen, wenn auch ein paar Jahrzehnte verfrüht. Wirft man einen genauen Blick auf zwei Säulen des westlichen Kapitalismus – die USA und Großbritannien –, dann sieht man, dass die heutigen politischen Krisen ernsterer Natur sind als die meisten vergangenen.

Beide Länder stecken in Regierungskrisen historischen Ausmaßes fest. Oberflächlich gesehen drehen sie sich um den Brexit in Großbritannien und um Trumps Ego und seine Mauer in den USA. Doch die Wurzeln der Problematik reichen tiefer. Die Probleme sind struktureller Natur und beginnen nun an der Basis der Gesellschaft, wo unter der Arbeiterschicht beispiellose Wut, Gespaltenheit und Verzweiflung zu finden sind, nachdem Jahrzehnte von wirtschaftlichem Neoliberalismus den Reichtum an der gesellschaftlichen Spitze konzentriert haben.

Der Neoliberalismus – mit dem Politiker zuallererst Unternehmensinteressen bedienen, wobei dann hoffentlich ein paar Krumen für die Masse „abfallen“ – startete vor 40 Jahren richtig durch.

In Großbritannien wurde er „Thatcherismus“ genannt und in den USA „Reaganomics“. Und der Neoliberalismus ist seitdem stets die treibende Wirtschaftsideologie gewesen, bei der Reichtum und Einkommen unerbittlich nach oben fließen, selbst nachdem „die Opposition“ die Macht übernommen hat. In den USA hatten wir den unternehmerfreundlichen „New Democrat“ Bill Clinton – Nordamerikanisches Freihandelsabkommen, Deregulierung der Wall Street, Sozial-„Reform“, Masseninhaftierungen. In Großbritannien hatten sie Tony Blair und „New Labour“ – der so unternehmerfreundlich war, dass Rupert Murdoch ihn unterstützte.

Anders als vergangene Regierungskrisen sind die heutigen nicht einfach parteiinterne Kämpfe unter Eliten, bei denen die Massen vom Rand aus zuschauen. Heutzutage müssen Regierungsfraktionen auf Wählergruppen reagieren, die zunehmend wütend,

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