werdet-hobbylos

12-02-19 08:55:00,

„Hast du keine Hobbys?“ darf man sich manchmal fragen lassen, wenn man sich mit sehr viel Aufwand und Inbrunst einer in den Augen Anderer sinnlosen Aufgabe oder Tätigkeit hingibt. „Hobbylos“ – also die Abwesenheit eines Hobbys im Leben einer Person – ist kein Schimpfwort, aber dennoch eine negativ konnotierte Eigenschaft in unserer heutigen Gesellschaft.

Aber was sind Hobbys? Warum sind sie in den Augen vieler so erstrebenswert? Was sagt es über uns aus, wenn wir gerne bouldern gehen, Briefmarken sammeln, mehr schlecht als recht auf einer Gitarre herumklimpern oder in der Einsamkeit eines Hobbykellers eine kleine Eisenbahn in einer toten Miniaturwelt unendlich im Kreis fahren lassen?

Was ist ein Hobby überhaupt? Wie definiert sich dieser niedliche Begriff? Wo kommt er eigentlich her? Und wie nehmen Sie, liebe Leser, ihn eigentlich persönlich wahr?

Schließen Sie doch mal die Augen und sagen Sie den Begriff „Hobbys“ zehnmal laut vor sich hin.

Fertig? Haben Sie das gemacht? Kamen Sie sich dabei dezent idiotisch vor? Meiner Meinung nach ein Zeichen von Gesundheit, wenn dem so war. Aber wie definiert sich nun dieser seltsame Begriff? Ziehen wir den Duden zu Rate. Nach diesem ist ein Hobby eine „als Ausgleich zur täglichen Arbeit gewählte Beschäftigung, mit der jemand seine Freizeit ausfüllt und die er mit einem gewissen Eifer betreibt.“

Behalten Sie sich diese Definition – insbesondere den ersten Halbsatz – gut in Erinnerung! Fügen wir diese Definition mit der etymologischen Herkunft des Wortes zusammen, ergibt sich ein sehr interessantes Gesamtbild. Laut Wikipedia leitet sich der Begriff „vom englischen hobby-horse ab (…) und bezeichnete ursprünglich ein kleines Pferd oder auch ein Pony“. Süß!

Die in uns brennende Leidenschaft – der sich wiehernd auf die hinteren Hufe aufbäumende Hengst – ist nach dieser Lesart schlicht ein kleines Pony. Warum ist das so?

Hobbys sind die Light-Version unserer Leidenschaft, eine vor sich hin glimmende Glut, die eigentlich ein großes Feuer sein sollte. Welchen Zweck haben Hobbys gesellschaftlich? Erinnern wir uns an die Duden-Definition: Hobbys seien eine „als Ausgleich zur täglichen Arbeit gewählte Beschäftigung“.

Hier entpuppt sich der neoliberal-ideologische Nutzen des Hobbys in aller Deutlichkeit. Hobbys sind in unserer Wirtschaftsordnung ein wichtiger Teil des Energie-Auflade-Prozesses, der die Lohnabhängigen – im Kollektiv auch das Humankapital genannt – wieder „funktionstüchtig“ macht. Es sind kleine Zugeständnisse des Systems an den Einzelnen,

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