transatlantische-trummer-wie-medien-und-politik-den-wunsch-nach-us-emanzipation-ignorieren

13-02-19 01:26:00,

Knapp 85 Prozent der Deutschen sehen das Verhältnis zu den USA negativ, wie eine neue Umfrage der Atlantik-Brücke zeigt. Der deutliche Wunsch der Bürger nach einer Distanzierung von den USA wird von Politikern aber ignoriert und von Redakteuren kleingeredet. Der Bürgerwille wird dadurch mit Füßen getreten. Von Tobias Riegel.

Das deutsch-amerikanische Verhältnis liegt in Trümmern – so sehr ist es vonseiten der deutschen Bevölkerung von tiefem Misstrauen geprägt. Dieser Befund ist bekannt – in geradezu verstörender Deutlichkeit wurde er nun aber durch eine aktuelle Umfrage ausgerechnet der transatlantischen Lobby-Vereinigung „Atlantik-Brücke“ bestätigt: Bei der repräsentativen Befragung von 5000 Personen bewerteten 85 Prozent das Verhältnis zu den USA als negativ oder sehr negativ. Eine stärkere Annäherung an die USA wünschten sich nur 13 Prozent, bei den SPD-Anhängern waren es laut Umfrage lediglich 2,9 Prozent der potentiellen Wähler, wie etwa die „FAZ“ berichtet.

Umfrage der Atlantik-Brücke widerspricht gängiger Meinungsmache

Die in der Umfrage offenbarten Sichtweisen der Mehrheit der Deutschen widersprechen auch auf anderen Gebieten den Darstellungen und „Erziehungs“-Versuchen aus Medien und Regierung: „Fast die Hälfte der Befragten (42,3 Prozent) hält China für einen besseren Partner für Deutschland als die USA. Nur 23,1 Prozent vertreten umgekehrt die Meinung, dass die USA ein verlässlicherer Partner sind als China“, vermeldet die Atlantik-Brücke zur Umfrage. Befragt nach den aktuell gefährlichsten globalen Krisenherden, nannten demnach nur 1,9 Prozent die „Ausweitung der russischen Einflusszone”. Der wachsende Einfluss Chinas wird ebenfalls nur von 2,2 Prozent als größte Gefahr gesehen. Zum Vergleich: Die politische Instabilität und Spaltung der EU bezeichneten 15,6 Prozent als gefährlichsten Krisenherd, 31 Prozent nennen Protektionismus.

„Autoritäre Systeme“ beliebter als USA

Solchen Tendenzen möchte Michael Werz, Mitglied des Vorstands der Atlantik-Brücke, wieder einfangen: „Die Deutschen (…) dürfen sich, bei aller berechtigten Kritik an der aktuellen US-Regierung, nicht von anti-amerikanischen Ressentiments den Blick auf die Gefahren verstellen lassen, die von den autoritären Systemen in Russland und China ausgehen.“ Angesichts der selber präsentierten Zahlen erscheinen solche Appelle jedoch lange überholt und darum mittlerweile wirkungslos.

Der hier besprochenen Umfrage haften die mit solchen Erhebungen stets verbundenen Defizite an – etwa was das Potenzial der Verzerrung und der Meinungsmache angeht. Sie verlangt darum nach der selben Distanz wie alle vergleichbaren Umfragen. Über die Methodik der Erhebung kann man sich hier ein Bild machen.

 » Lees verder