erganzende-anmerkungen-zum-artikel-von-andreas-zumach-zur-neuen-atom-und-raketen-konfrontation

14-02-19 08:58:00,

Der gestern veröffentlichte Artikel von Andreas Zumach “Europa droht hochgefährlicher atomarer Rüstungswettlauf” widmet sich zu Recht der Frage des weiteren Umgangs mit der drohenden Spirale der Aufrüstung mit Raketen und Atomwaffen. Auch der Appell an beide Seiten, zur Vernunft zu kommen und der Rat an die Friedensbewegung, sich bei diesem Thema zu engagieren, sind angebracht. Aber mich stört eine Schlagseite. Außerdem ist die Lage heute nicht mit jener in den achtziger Jahren vergleichbar, als die Friedensbewegung erfolgreich gegen die Nachrüstung demonstrierte. Albrecht Müller.

Versetzen Sie sich einmal in die Lage von Russen, die den Artikel von Andreas Zumach lesen. Ich stelle mir dabei einige konkret vor, die mir seit dem Ende der Ost-West-Konfrontation begegnet sind, zum Beispiel: die Leiterin und das Kollegium eines Gymnasiums in Moskau, oder der stellvertretende Chef des renommierten Kurchatow-Instituts, oder russische Journalisten und die russischen Partner der nunmehr 30 Jahre währenden Partnerschaft der Städte Kursk und Speyer. Das waren und sind allesamt differenziert denkende Menschen und zudem engagiert für ein freundschaftliches und friedliches Verhältnis zu uns.

Sie würden vermutlich alle anmerken, im Artikel von Andreas Zumach würde die Geschichte so dargestellt, als wären der Westen und Russland in gleicher Weise schuld an der neuen Konfrontation. Ganz konkret auch bei der Verletzung des INF-Vertrages. Wer hat denn mit der Stationierung neuer Raketen angefangen, würden sie fragen? Die Russen? Das war doch der Westen in Rumänien und Polen – obendrein verbunden mit dem dummen Argument, die Raketen würden dort aufgestellt, um sich gegen Raketen des Iran zu wehren.

Die stellvertretende Leiterin des Gymnasiums in Moskau, die den Austausch mit Schülern und Lehrern in Köln und im südpfälzischen Annweiler pflegte, würde schreiben: Wir haben unsere ganze Hoffnung darauf gesetzt, dass solche Partnerschaften leben und gedeihen. Jetzt merken wir – nicht bei unseren deutschen Schul-Partnern, sondern bei der Politik – dass man mit uns nichts mehr zu tun haben will und uns stattdessen mit Sanktionen überzieht. Wir hatten gehofft, der Westen würde einsehen, dass auch Russland zu Europa gehört. Jetzt erleben wir, dass eine Grenze zwischen Finnland im Norden und dem Süden am schwarzen Meer gezogen wird. Alles westlich davon gehört nach den Vorstellungen des Westens zu Europa, alles östlich davon ist Feindesland. Mit diesem neuen Aufbau von feindlichen Gefühlen haben doch nicht wir Russen begonnen?

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