Tyrannen im Anzug

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15-02-19 08:43:00,

von Chris Hedges

Konzerndiktaturen, die ihren Angestellten verfassungsmäßige Grundrechte einschließlich der Redefreiheit wegnehmen und zunehmend auf Zeit- und Vertragsarbeiter setzen, die weder Sozialleistungen noch eine Arbeitsplatzgarantie erhalten, bestimmen das Leben von etwa 80 Prozent der amerikanischen Arbeitnehmer. Diese Konzerne überwachen und kontrollieren ihre Belegschaft unter geringer oder völlig ohne staatliche Aufsicht.

Sie führen nach Belieben Drogentests durch, ordnen strapaziöse Arbeitsquoten an und betreiben regelmäßig Lohndiebstahl; ferner verletzen sie ihre Arbeiter und verweigern ihnen anschließend eine angemessene Entschädigung, ignorieren Berichte über sexuelle Übergriffe bis hin zu Vergewaltigung. Sie lassen Vorgesetzte ihre Untergebenen schikanieren, wenden psychologische Tricks an – unter anderem auch die Pseudowissenschaft der Positiven Psychologie – und versuchen, mittels Einschüchterung Gehorsamkeit zu erreichen.

Sie werfen Mitarbeiter raus, wenn sie in den Sozialen Medien oder auf öffentlichen Veranstaltungen in ihrer Freizeit linke Meinungen äußern. Sie trennen sich von denjenigen, die Beschwerden einreichen und öffentlich die Arbeitsbedingungen kritisieren. Sie behindern jeden Versuch der gewerkschaftlichen Organisation, entlassen kaltherzig ältere Mitarbeiter und schreiben „Wettbewerbsverbotsklauseln“ in ihre Arbeitsverträge, die es Angestellten, die aus dem Unternehmen ausscheiden, verbieten, für andere Arbeitgeber im selben Industriezweig zu arbeiten. Inzwischen müssen Arbeitnehmer in fast der Hälfte aller technischen Berufe solche Klauseln unterzeichnen, wobei auch Niedriglohnjobs in Friseursalons und Restaurants zunehmend davon betroffen sind.

Je geringer die Löhne, desto gravierender die missbräuchlichen Arbeitsbedingungen. Arbeitnehmer in der Lebensmittelindustrie, im Hotelwesen, in der Landwirtschaft, im Baugewerbe, Einzelhandel und Lagerwesen sowie Angestellte in Call-Centern, Gärtnereien sowie dem Dienstleistungssektor generell, ebenso die Mitarbeiter in Gefängnissen, Krankenhäusern und Pflegeheimen leiden am schlimmsten. So untersagt etwa der Walmart-Konzern, der mit 1,4 Millionen Angestellten fast 1 Prozent der amerikanischen Arbeitnehmerschaft beschäftigt, seinen Mitarbeitern, sich am Arbeitsplatz miteinander zu unterhalten. Das wird als „Zeitdiebstahl“ bezeichnet. Der Nahrungsmittelgigant Tyson verbietet seiner Belegschaft den Gang zur Toilette, was dazu führt, dass sich viele von ihnen einnässen und manche sogar Windeln tragen müssen.

Und die älteren Wanderarbeiter, die Amazon oft beschäftigt, sind anstrengenden Zwölf-Stunden-Schichten ausgesetzt, bei denen die Firma jeden Handgriff elektronisch überwacht, um sicherzustellen, dass die stündlichen Quoten erreicht werden. Manche Amazon-Mitarbeiter müssen pro Schicht kilometerlang über Betonböden laufen und müssen immer wieder ihren Job auf allen Vieren verrichten, was häufig zu schweren körperlichen Schäden führt.

Die Firma zwingt derart verletzte Angestellt, die sie rausschmeißt, ein Dokument zu unterschreiben, was besagt, dass ihre Verletzungen nicht von den Arbeitsbedingungen bei Amazon herrühren.

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