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17-02-19 07:34:00,

Die Teilblindheit unseres Lebens und unserer Bedürfniserfüllung dient als Tor unbewusster Einflussnahme

Ein großer Teil unserer Wahrnehmung und ihrer Weiterverarbeitung geschieht unbewusst, denn unser Gehirn muss mit seinen Ressourcen haushalten. So gesehen gehen wir teilweise blind durchs Leben. Wir sind – wie es psychologisch heißt – unaufmerksamkeitsblind. Das können wir bei uns selbst oder in Experimenten beobachten. Nichts zeigt diese unerträgliche Automatisierung unseres Seins jedoch so deutlich, wie das sogenannte Blindsehen bei Menschen: Sie haben keine bewussten Seheindrücke, glauben also blind zu sein, reagieren jedoch auf Wahrnehmungsreize und können z.B. Hindernissen ausweichen.

Die Teilblindheit unseres Lebens und unserer Bedürfniserfüllung dient als Tor unbewusster Einflussnahme. Diese Manipulation geschieht beispielsweise durch Politiker, zum Vorteil Einzelner oder der Gemeinschaft. Gerade wenn es um das größte Einfallstor der Manipulation – die Bedürfniserfüllung – geht, ist jedoch die Manipulation zur Konsumation besonders ausgeprägt. Wir spüren, wenn wir beeinflusst werden, da Gefühle die wichtigste Kommunikationsform unseres (manipulierten) Unbewussten sind, aber wir wissen in der Regel nicht, dass es passiert – zumindest nicht im Moment.

Wir sind immer – mehr oder weniger – unaufmerksamkeitsblind. Zumindest können wir im Nachhinein über manipulierende Aussagen und ihr Auslösen von Angst oder Freude reflektieren. Wir haben also immerhin die Möglichkeiten, Beeinflussungen zu erkennen und uns vor weiterer Manipulation zu wappnen. Das wird sich mit der technischen Durchdringung des Alltags ändern, ob zum Positiven oder Negativen liegt in unserer Hand.

Denn genauso wie das automatisierte Unbewusste unseres Leben die Durchführung von routinierten Tätigkeiten erleichtert, indem unser Bewusstsein nicht eingreifen muss, kann uns auch die technische Automatisierung im Alltag unterstützen. Wir kennen und schätzen unsere Helfer, ob das unser Smartphone oder Navigationssystem ist. Andererseits kann der Unterschied zwischen Helfen und Bevormunden auch in technischen Unterstützungssystemen gering werden. Denn um uns zufrieden zu stellen, wollen uns die virtuellen Helfer immer besser kennen lernen, um es euphemistisch auszudrücken.

Wir kennen das bereits von Google, Facebook und Amazon: Unser Internet-Verhalten wird automatisch erfasst, damit uns angepasste Inhalte präsentiert werden können. Ob uns diese Inhalte gefallen oder nicht, melden wir direkt oder indirekt zurück (Kauf, Klick etc.). Durch diese Feedbackschleife lernen solche Systeme immer besser, was sie uns präsentieren müssen, um unsere Bedürfnisse anzusprechen, und wissen implizit dadurch auch immer besser, wie sie unsere Bedürfniserfüllung –

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