Die neue Aufklärung

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19-02-19 08:58:00,

Christa Schaffmann: Vor mehr als 45 Jahren ist der Bericht des Club of Rome unter der Überschrift „Grenzen des Wachstums“ erschienen. Seitdem hat sich an dem Streben nach hohen Wachstumsraten in der Wirtschaft wenig geändert. Haben sich die Verfasser des neuen Berichts („Wir sind dran“) deshalb für einen Titel ohne eine messbare Größe wie Wachstum entschieden?

Ernst Ulrich von Weizsäcker: Der Titel ist bewusst doppeldeutig gewählt: zum einen als klare Ansage, dass wir etwas tun müssen, zum anderen als ernste Warnung davor, dass unser Planet massiv beschädigt würde, wenn wir nicht das Richtige tun. Was die Wachstumsideologie betrifft, so haben Sie Recht. Aber genau dieses beschleunigte Wachstum und die Verdoppelung der Erdbevölkerung brachten uns zu der Erkenntnis, dass wir mitten in einer philosophischen Krise stecken, ohne uns dieser bewusst zu sein. In seiner großartigen Enzyklika Laudato Si schreibt Papst Franziskus dazu:

„Wenn die Produktion steigt, kümmert es wenig, dass man auf Kosten der zukünftigen Ressourcen oder der Gesundheit der Umwelt produziert. Wenn die Abholzung eines Waldes die Produktion erhöht, wägt niemand in diesem Kalkül den Verlust ab, der in der Verwüstung eines Territoriums, in der Beschädigung der biologischen Vielfalt oder in der Erhöhung der Umweltverschmutzung liegt. Das bedeutet, dass die Unternehmen Gewinne machen, indem sie einen verschwindend kleinen Teil der Kosten einkalkulieren und tragen.“

Mit anderen Worten: Für ihn besteht das zentrale Problem in einer kurzfristigen Wirtschaftslogik, die die wahren Kosten ihrer langfristigen Schäden für Natur und Gesellschaft ignoriert.

Das ist richtig, aber – wenn ich das sagen darf – auch nicht so neu.

Wir haben uns gefragt, warum das irgendwann zum Problem wurde, nachdem es in der Geschichte der Menschheit lange gut funktioniert hat. Dabei sind wir auf Herman Daly und den von ihm geprägten Begriff der „Leeren Welt“ gestoßen – einen Gegenpol zu unserer heutigen „Vollen Welt“. In der „Leeren Welt“ waren Jagd, Fischfang, Waldrodung, Bergwerke noch das Normalste von der Welt. Heute besteht die nachhaltige ökonomische Optimierung in der Hauptsache darin, solche Tätigkeiten scharf zu kontrollieren und zu begrenzen.

Wir konstatieren auch, dass die Aufklärung des 17. und 18. Jahrhunderts in der „Leeren Welt“ stattfand und dass die Aussagen eines Adam Smith und eines David Ricardo für diese Welt sehr vernünftig und glaubwürdig waren. Die Reichweite des Marktes war identisch mit der Reichweite des Staates,

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