Für eine neue Boden-Ethik

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22-02-19 06:25:00,

Bild: Agroscope,/Gabriela Braendle/CC By-ND-2.0

Jeden Tag werden in Deutschland mehr als 100 Fußballfelder Bodenfläche zubetoniert. In den letzten 30 Jahren haben wir hierzulande bereits ein Viertel aller Böden verloren. Ein Kommentar

Weltweit gehen jedes Jahr etwa zehn Millionen Hektar Ackerfläche verloren. Der Prozess läuft zurzeit so: Immer mehr Menschen, aber immer weniger fruchtbare Böden. Auch deshalb das dramatische Artensterben. Und schon heute hungern 800 Millionen Menschen. In 50 Jahren werden wir circa 11 Milliarden Menschen sein gegenüber 7,7 Milliarden heute. Wie wollen wir mit immer weniger Böden immer mehr Menschen ernähren?

Parkplätze und Häuser, Straßen und Fabriken haben Vorrang gegenüber Land- und Forstwirtschaftsflächen. In vielen deutschen Städten wird derzeit über die Bodenfrage gestritten. Die Ansprüche an die Böden wachsen, doch der Boden wächst nicht. Böden produzieren zwar nachwachsende Rohstoffe, doch Böden sind keine nachwachsenden Rohstoffe.

Neu bauen oder renovieren und restaurieren?

Um Wohnraum oder Natur wird gestritten in Hamburg und München, in Berlin und Düsseldorf, in Frankfurt und Freiburg. Die Bodenpreise wachsen noch schneller als die Mietpreise. Am 24. Februar 2019 wird in Freiburg über die eventuell größte Stadterweiterung seiner Geschichte abgestimmt – darüber, ob im Stadtteil “Dietenbach” 6.500 neue Wohnungen für 15.000 Menschen gebaut werden sollen oder ob die Wohnungen durch Aufstocken und Verdichten der vorhandenen Gebäude entstehen können. Neu bauen oder renovieren und restaurieren? Höher bauen im Bestand oder noch mehr Boden versiegeln? Kann Freiburg, können unsere Städte ewig wachsen?

Als die Bundesregierung vor 25 Jahren von Berlin nach Berlin umgezogen ist, hat Bauminister Töpfer die Parole ausgegeben: “Ökologisches Bauen heißt primär nicht bauen, sondern renovieren und restaurieren”. In Berlin wurde kein einziges Ministerium neu gebaut. Beim Umzug einer ganzen Regierung wurde verdichtet, renoviert und restauriert. Einzig das Kanzleramt wurde neu gebaut. Ein Vorbild für die heutigen Streitfragen in vielen Städten.

Gibt es Alternativen zum Neu-Bauen?

Es gibt immer Alternativen. Nichts Materielles wächst ewig – außer dem Krebs. Und der wächst auch nur bis zum Tod. Die Wachstums-Ökonomie ist eine Todes-Ökonomie. Ewiges Wachstum gibt es allein im geistigen, im spirituellen, vielleicht im kulturellen und religiösen Bereich. In allen materiellen Bereichen steht nach der anfänglichen Wachstumsphase die Phase des Reifens an. Wie beim Menschen, wenn er 18 oder 20 Jahre alt ist.

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