Psychologie: Wie mächtig Framing wirklich ist

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04-03-19 08:19:00,

Halb voll oder halb leer? Die Formulierungen die wir wählen haben einen Einfluss auf unser Denken.Laden…

© imoritz / Getty Images / iStock (Ausschnitt)

Wer in das Thema Framing einsteigt, merkt schnell, dass die Forschung zum Thema ein zerklüftetes Gebiet ist. Schon Robert Entman, Koryphäe der Framing-Forschung, schrieb im Jahr 1993: »Trotz der Allgegenwart des Framing in den Sozialwissenschaften sucht man vergebens nach einer Theorie, die erklärt, wie Frames sich in Texte einbetten und sich dort manifestieren oder wie Framing das Denken beeinflusst.«

Mehr als 20 Jahre später fällt der Befund immer noch ähnlich aus. So erklärt der Psychologe und Medienwissenschaftler Jörg Matthes von der Universität Wien in seinem Buch »Framing« von 2014: »Wir finden in der Literatur kein kohärentes Theoriegebäude oder ein Netz von theoretischen Aussagen. Vielmehr gibt es eine Reihe von ganz unterschiedlichen Arbeiten, die den Frame-Begriff verwenden, ohne jedoch konkrete Vorhersagen aus einer Framing-Theorie abzuleiten.« Das mache es schwierig, die Framing-Forschung zu fassen und wissenschaftlich zu beschreiben.

Es gibt aber bereits eine ganze Reihe empirischer Studien, die die Wirkung verschiedener Framing-Ansätze aufzeigen. Ein Klassiker darunter ist eine Untersuchung zur Risikofreudigkeit von Menschen in verschiedenen sprachlichen Kontexten, die Daniel Kahneman und Amos Tversky 1981 im Journal »Science« veröffentlichten. Die beiden Psychologen legten ihren Versuchspersonen folgende Geschichte vor und baten sie dann um ihre Einschätzung (Hervorhebungen von der Redaktion):

»Stellen Sie sich vor, die USA bereiten sich auf den Ausbruch einer […] Erkrankung vor, die unbehandelt 600 Menschen töten wird. Zwei alternative Programme zur Bekämpfung der Krankheit wurden vorgeschlagen. […] Durch Programm A würden 200 Personen gerettet. Bei Programm B gäbe es eine 1/3-Wahrscheinlichkeit, dass alle 600 Menschen gerettet werden, und eine 2/3-Wahrscheinlichkeit, dass niemand gerettet wird. Welches der beiden Programme würden Sie bevorzugen?«

Vor die Wahl gestellt, entschieden sich 72 Prozent der Teilnehmer für das erste Programm, 28 Prozent für das zweite. Anschließend wiederholten die Wissenschaftler den Versuch mit einer zweiten Probandengruppe – die die Geschichte allerdings aus einem anderen Blickwinkel präsentiert bekam. Nun hieß es:

»Durch Programm C würden 400 Menschen sterben. Bei Programm D gibt es eine 1/3- Wahrscheinlichkeit, dass niemand stirbt, und eine 2/3-Wahrscheinlichkeit, dass 600 Menschen sterben werden.«

Unter den Versuchspersonen, die diese Beschreibung gelesen hatten, wählten lediglich 22 Prozent das erste Programm, 78 Prozent entschieden sich hingegen für Programm Nummer zwei.

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