Vor 50 Jahren wurde Gustav Heinemann zum Bundespräsidenten gewählt. Ein Glücksfall.

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05-03-19 11:15:00,

Wo ist der nächste Glücksfall? Es müsste eine unabhängige Findungskommission oder sogar mehrere geben, die systematisch nach politischen Talenten suchen, also nach anständigen, qualifizierten, unabhängigen Frauen und Männern. Das fällt mir als erstes ein, wenn ich daran denke, dass vor 50 Jahren dieser großartige Typ aus Essen zum Bundespräsidenten gewählt wurde. Er war in vieler Hinsicht ein Glücksfall: ein fundierter Förderer der Entspannungs- und Friedenspolitik, er hat als Justizminister ab 1966 begonnen, das verkrustete Recht aufzubrechen, ein wirklicher Reformer, er war als Person und Bundespräsident eine Brücke zur kritischen Jugend, und ein wirklicher Demokrat, endlich einer, der den Staat nicht vergötzte. Albrecht Müller

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Wenn es nach dem frühen Gustav Heinemann gegangen wäre, dann hätten wir schon vor fast 70 Jahren unseren Frieden mit Russland gemacht und den Menschen im geteilten Deutschland viel Elend erspart

Ich beginne mit einigen persönlichen Erfahrungen: Als ich 1968 Redenschreiber des damaligen Bundeswirtschaftsministers Karl Schiller geworden war, begegnete ich bei Treffen der SPD-Spitze und am Rande des Bundeskabinetts auch Gustav Heinemann. Das war immer beeindruckend und erholsam. Ich kannte ihn schon von früher. Von 1950 an, als ich zwölf Jahre alt war. Damals gab es in meinem Heimatdorf eine mehrheitlich gegen den Krieg und gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik eingestellte Jugendgruppe. Heinemann war – sozusagen – unser Wortführer. Er war zwar CDU-Mitglied und Innenminister im Kabinett Adenauer. Aber er rebellierte gegen die Pläne Adenauers und der Alliierten zur Westintegration und Wiederbewaffnung West-Deutschlands. Und Heinemann warb damals schon dafür, die Angebote der Sowjetunion ernsthaft zu prüfen. Damals und auch noch einige Zeit später war angeboten worden, Deutschland könne wiedervereinigt werden, wenn es nicht Teil des westlichen Militärbündnisses sein würde.

In meiner Jugendgruppe fanden wir diese Idee mehrheitlich gut und den Mut Heinemanns beeindruckend, und wir haben darüber auch mit Lehrern und anderen Erwachsenen gestritten. Wir hatten als Kinder den Krieg noch erlebt, wir hatten am Nachthimmel den Feuerschein brennender Städte in unserer Nachbarschaft gesehen und selbst in unserem Dorf Angriffe von Jagdbombern erlebt. Vor allem aber waren unter uns mehrere Mädchen und Jungs, deren Vater im Krieg gefallen war. Sie hatten persönlich erlebt, was Krieg bedeutet. Auch deshalb fanden wir diesen Menschen und Politiker,

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