der-krieg-hat-begonnen

13-03-19 07:57:00,

von James O’Neill

Am Ende des Zweiten Weltkriegs waren die Vereinigten Staaten die stärkste Wirtschafts- und Militärmacht des Planeten. Sie nutzten diese Position, um sich der Welt für die folgenden 60 Jahre aufzuzwingen. Potentielle Bedrohungen dieser Vorherrschaft wurden durch Überzeugungsarbeit, wirtschaftliche Erpressung mithilfe der dominanten Stellung des US-Dollars, Regimewechsel bei unbequemen Regierungen sowie in vielen Fällen durch Invasionen und Besetzungen zerschlagen. Millionen von Menschen kamen ums Leben und soziale Strukturen wurden zerstört.

Weil während dieser Jahrzehnte ein ernsthafter Herausforderer fehlte, gedieh eine Mentalität des Exzeptionalismus, des Glaubens an eine amerikanische Sonderstellung: Für die Vereinigten Staaten galten die gewöhnlichen Regeln des zivilisierten Verhaltens nicht, ihr Weg war der einzig akzeptable und ihr Monopol auf Vorherrschaft würde für immer bestehen — so der Glauben.

Trotz der fortwährenden Propaganda war die Sowjetunion nie eine ernsthafte Bedrohung, und China war zu beschäftigt mit internen Erschütterungen, um großen Einfluss außerhalb seiner eigenen Landesgrenzen oder seiner direkten Nachbarstaaten auszuüben.

In den vergangenen beiden Jahrzehnten haben sich bedeutende Veränderungen ereignet, und das mit zunehmender Geschwindigkeit. Nach der Jelzin-Ära in den 1990ern leitete Russland eine stetige Erneuerung seiner wirtschaftlichen und politischen Stellung ein. China setzte zu seinem wahrhaft „Großen Sprung nach vorn“ an infolge der Reformen und Öffnung seiner Wirtschaft und Gesellschaft unter Deng Xiaoping in den späten 1970ern. Die Ergebnisse sind ohnegleichen in der modernen Geschichte. Das Pro-Kopf-Einkommen in China ist seit Beginn von Dengs Reformen auf das heute 25-Fache angewachsen. Das von der Weltbank ermittelte Armutsniveau ist von 90 Prozent im Jahr 1978 auf heute weniger als 2 Prozent der Bevölkerung gesunken.

Chinas BIP-Wachstumsrate befindet sich seit mehreren Jahrzehnten auf einem konstanten Niveau, das etwa drei Mal so hoch liegt wie das der meisten Industriestaaten. Ausgehend von der Kaufkraftparität ist China heute die weltgrößte Volkswirtschaft, und diese überragende wirtschaftliche Stellung wird in der absehbaren Zukunft weiter ausgebaut werden.

Einer der Gründe für Chinas dynamisches Wachstum ist nicht zuletzt seine Investition in Bildung, insbesondere in die BereicheMathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik — kurz MINT. Etwa ein Viertel aller weltweit in diesen Bereichen Beschäftigten sind heute Chinesen. Es wird erwartet, dass bis zum Jahr 2025 — ein entscheidendes Datum in der chinesischen Planung — mehr Chinesen in der MINT-Branche tätig sein werden als Arbeitnehmer aus allen OECD-Staaten zusammen.

Auch Russland investiert — wenn auch in wesentlich geringerem Umfang — in die Förderung von Spitzenleistungen in den MINT-Fächern.

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