Des Kaiser neuen Kleider

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18-03-19 09:38:00,

Wehret den Lügen in der Klimadebatte

Das politische und wirtschaftliche Establishment ist besorgt. Was Klimaforscher, Umweltpolitiker und engagierte Bürger bisher nicht vermocht haben, schaffen jetzt ausgerechnet unsere Kinder: Die Gefahr der globalen Erwärmung drängt sich in den Vordergrund der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit. Liberal-konservative Politiker, Wirtschaftsverbände und Rechtsintellektuelle zeigen daraufhin ihre altbekannten Reaktionsmuster: Ableugnen, Schimpfen gegen Wissenschaftler, Beharren auf der Alternativlosigkeit unseres heutigen Wirtschaftens, stures Proklamieren einer eigenen Wahrheit bis hin zu schamlosen Lügen.

So entgegnet der deutsche FDP-Vorsitzende Christian Lindner, die Schüler sollen doch die Klimadebatte den Profis überlassen: “Von Kindern und Jugendlichen kann man nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen.” Prompt reagierte ein Klimaprofi. Stefan Rahmstorf, einer der weltweit führenden Ozeanographen und Leitautoren des Sachstandsberichtes des Weltklimarates (IPCC) schreibt: “Die Klima-Profis sind klar auf Seiten der Schüler! Die Schüler gehen auf die Straße, weil die Politiker trotz schöner Worte die Klimaziele verfehlen. Greta Thunberg versteht mehr vom knappen Emissionsbudget und den Kipppunkten des Klimas als Herr Lindner.”

Das ist peinlich für den Politiker Lindner, dessen Ausbildung (Politikwissenschaften und Staatsrecht) tatsächlich kaum eine differenzierte Sichtweise auf die komplexen, nichtlinearen Dynamiken innerhalb der globalen Klimaentwicklung vermuten lässt.

Plumper politischer Populismus

Ein besonders dreistes Beispiel für eine Reaktion von Seiten der politischen Rechten stellt ein kürzlich publiziertes Interview des Schweizerischen Rechtpopulisten und selbsterklärten Intellektuellen Roger Köppel von der Schweizerischen Volkpartei (SVP) dar (im Zürcher Tagesanzeiger vom 16. März 2019). In der Schweiz mag man sich an Köppels Provokationen bereits gewöhnt haben, aber seine Argumentation folgt dem immer gleichen Muster von Klimaleugnern und muss daher in ihrer Einfältigkeit immer wieder neu entblößt werden.

Selbstsicher erklärt Köppel seine Opposition zur Klimawissenschaft mit “unbestrittenen Fakten”. Seit 1860 habe sich die globale Temperatur “nur um knapp 1°C” erhöht. Tatsächlich sind es 1.1°C, wobei sich die Erhöhung in den letzten Jahrzehnten dramatisch beschleunigt hat. Köppels Formulierung suggeriert, dass 1°C doch so viel nicht sei. Doch für das globale Klima ist eine 1°C-Erwärmung sehr viel. Klimaforscher gehen davon aus, dass eine weitere Erwärmung um mehr als 1°-Erwärmung dramatische Auswirkungen auf die globalen Ökosysteme und damit auch auf das menschliche Leben haben werden. So warnt selbst das Weltwirtschaftsforum: “Das Wechselspiel zwischen der Belastung der wirtschaftlichen und ökologischen Systeme wird unvorhersehbare Herausforderungen für globale und nationale Widerstandsfähigkeiten darstellen.”

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