Brasilien – Marielle Francos Mörder, Bolsonaro und das mutmaßliche Heckler&Koch-Arsenal

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02-04-19 07:31:00,

Am vergangenen 14. März jährte sich der Mord an der brasilianischen Stadtverordneten Marielle Franco. Als fordere der Jahrestag seinen moralischen Tribut, überraschte zwei Tage zuvor Polizeikommissar Giniton Lages die Öffentlichkeit mit der Festnahme der ehemaligen Beamten von Rio de Janeiros Policia Militar (PM – militarisierte Bereitschaftspolizei), Ronnie Lessa und Élcio Vieira de Queiroz; beide Mitglieder der bereits vor einem Jahr auf den NachDenkSeiten beschriebenen mafiösen Killer-Milizen. Von Frederico Füllgraf.

Sodann verblüffte Kommissar Lages die Medien mit dem Hinweis, sämtliche Ermittlungen deuteten auf Lessa als Schützen des Mordanschlags hin. Doch die eigentliche “Bombe” in Lages‘ Ausführung war: Lessa ist Nachbar des seit 1. Januar 2019 amtierenden Präsidenten Jair Bolsonaro in einer geschlossenen Wohnanlage in Rios Bezirk Barra da Tijuca. Keine 24 Stunden später war Kommissar Lages – dem Seltenheitswerte unter Brasiliens Kriminalpolizei, wie Professionalismus und Souveränität, nachgesagt werden – „beurlaubt”.

Die Bekanntgabe von Lages‘ Entfernung von den über ein Jahr hinweg verschleppten Ermittlungen über Täter und potenzielle Auftraggeber machte Rio de Janeiros neugewählter Gouverneur Wilson Witzel. Der Kommissar sei „überarbeitet” und werde für einige Monate als Stipendiat zur Teilnahme an einem Weiterbildungskurs nach Italien entsendet.

Witzel, sollte man wissen, war begeisterter Marineinfanterist, betätigte sich nach dem Rechtsstudium 17 Jahre lang als Bundesrichter und wechselte 2017 in die Politik. Zur Nachfolge des wegen schwerer Korruption inhaftierten, ehemaligen Gouverneurs Sérgio Cabral Filho kandidierte Witzel allerdings auf der Liste der PSL, der sogenannten Christlich-Sozialen Partei Jair Bolsonaros. Mit der Devise “Rio de Janeiro mit Verstand verändern” teilte Witzel andererseits auch Law&Order-Parolen seines Parteikollegen Bolsonaro wie „Jeder, der in meiner Regierung unerlaubt ein Gewehr trägt, wird abgeknallt” – Parolen fern jeden Verstands, doch mit diesen Worten.

Bizarre bis faschistoid anmutende Episoden verbinden Witzel mit seinem Parteikollegen Bolsonaro. So zertrümmerten während Witzels Wahlkampagne im Oktober 2018 seine fanatisierten Anhänger das mittlerweile weltbekannte symbolische Straßenschild zur Ehrung Marielle Francos. Knapp zwei Monate nach seiner und Bolsonaros Wahl machte Witzel erneut von sich reden, als er während eines Israel-Besuches in Begleitung zweier Bolsonaro-Söhne Liegestütze an der Seite israelischer Soldaten demonstrativ in Szene setzte. Der gewählte Gouverneur und die Bolsonaros waren sozusagen „amtsgeschäftlich” in Israel unterwegs, nämlich für den Einkauf von Angriffs-Drohnen, die Verdächtige aus der Luft ins Visier nehmen und … „abknallen”.

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