Im Würgegriff

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11-04-19 07:28:00,

von Medea Benjamin

Jüngst durften wir auf einer Delegationsreise in den Iran die iranische Gastfreundschaft aus erster Hand erleben. Iraner sind besonders begeistert, wenn sie US-Amerikaner treffen — wir haben aber leider erfahren, dass die Politik unserer Regierung genau den Menschen schadet, die unsere Freunde sein wollen.

Als unsere 28-köpfige Delegation durch das Land reiste — auf unseren Jacken stand auf englisch und persisch „Friede mit dem Iran“ —, waren wir stets von Menschen umringt, die ihr Englisch erproben und mit uns sprechen wollten, vom Schulkind bis zum Ladenbesitzer. Als sie hörten, dass wir aus den USA kamen, begannen ihre Augen zu leuchten. Wir posierten ununterbrochen für Fotos und tauschten Instagram-Accounts aus. Man bot uns ständig süßen Tee an und überschüttete uns mit mehr Geschenken, als in unsere Koffer passten.

Wir hörten immer wieder den Refrain „US-Amerikaner gut, Trump böse“. Wir trafen aber auch ein paar Trump-Unterstützer. An einem Straßenladen außerhalb Teherans stellten wir mit Entsetzen fest, dass hier sämtliche Bücher von Donald Trump auf persisch verkauft wurden. Ein Buchkäufer sagte, Trump sei gut, weil er dafür sorge, dass man die schrecklichen Kleriker, die das Land regierten, los werde. Die meisten Menschen jedoch, ob sie nun ihre Regierung mochten oder ablehnten, beklagten sich darüber, dass die US-Politik nicht die Regierung oder die Reichen träfe, sondern die Mittelklasse und die Armen.

Im Mai 2018 kündigte Präsident Trump einseitig das Nuklearabkommen mit dem Iran und verhängte daraufhin drakonische Sanktionen, die nicht nur US-Unternehmen untersagen, Geschäfte im Iran abzuwickeln, sondern alle ausländischen Unternehmen und Banken bedrohen, die Handel mit dem Iran betreiben. Die Sanktionen schränken auch Irans Möglichkeiten empfindlich ein, seine Haupteinnahmequelle, das Erdöl, zu verkaufen.

Durch die US-Sanktionen sowie durch Misswirtschaft und Korruption ist der Wert des Rial gefallen und hat die Preise für Gebrauchsgüter in Schwindel erregende Höhen steigen lassen. Einer unserer Führer erzählte uns:

„Unsere Ersparnisse auf der Bank sind weg, die Mieten steigen monatlich und die Preise für Lebensmittel täglich, während die Löhne größtenteils gleich bleiben.“ Bei einem Stand am Straßenrand, neben der Grabstätte von Kyros dem Großen, erzählte uns die Frau eines Teeverkäufers, wie dramatisch sich der Lebensstandard der Familie im letzten Jahr verschlechtert habe. „Früher konnten wir uns ein Auto leisten, heute ist nicht mal mehr ein Kühlschrank drin“,

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