honduras-busticket-ins-ungewisse

17-04-19 08:52:00,


Gabriela Neuhaus / 17. Apr 2019 –

In Mittelamerika reisen derzeit Tausende Richtung Norden. Sie wollen in die USA – ein Spiessrutenlauf. Ein Augenzeuginnenbericht.

Sonntagmorgen, kurz vor sieben: Mit einer Stunde Verspätung hält der Bus der Linie Maya de Oro in Puerto Cortés. Fahrplanmässiger Start des Expresskurses nach Guatemala City wäre in San Pedro Sula, der zweitgrössten Stadt von Honduras, eigentlich um 5.30 Uhr gewesen.

Der Bus ist gut besetzt. Die Menschen haben sich für die lange Reise eingerichtet, die meisten schlafen oder dösen. Ich setze mich neben einen jungen Mann mit schwarzer Baseballmütze, der zur Begrüssung kurz nickt, bevor auch er wieder die Augen schliesst.

Hinter mir eine aufgeregte Frauenstimme. Sie telefoniert und will gleichzeitig von ihren Mitfahrenden wissen, in welcher Zone der Capital (gemeint ist Guatemala City) der Bus ankommen wird und ob wir wohl pünktlich seien: Heute Nachmittag starte ihre Caravana in der Zona 1.

Ich traue meinen Ohren nicht und schaue mich um: Will sich diese Frau im lila Rock einer dieser Caravanas anschliessen, die in den letzten Monaten in unseren Medien für Schlagzeilen gesorgt haben? Ist sie tatsächlich eine Migrantin auf dem Weg in die USA?

Bald wird klar: Sie ist nicht die einzige. Die Frau im Sitz vor ihr – glitzernder Modeschmuck, weisse Turnschuhe, begleitet von einem Jungen und einem Mädchen im Teenageralter – kommt mit ihr ins Gespräch. Genauso die Familie – Vater, Mutter und zwei kleinere Kinder zuhinterst im Bus, gleich neben dem stinkenden WC.

Ein älterer Mann – lockerer Typ mit markantem, braungebranntem Gesicht, am Finger ein Ring mit blauem Stein, helle Basketballmütze und gute Schuhe – erteilt rundum Ratschläge. Einer jungen Frau erklärt er, dass man über Santa Elena am schnellsten nordwärts komme. Er scheint sich auf der Strecke bestens auszukennen.

Bei der Billettkontrolle werden verschiedene Reisende nach ihrem Alter gefragt. Weshalb, wird kurz vor der Grenze klar: Plötzlich stoppt der Bus. Ein muskulöser Macho mit kurzgeschorenem Haar und weiss-braun gestreiftem T-Shirt steigt zu und fordert Kinder und «Mineros» unter 21 Jahren auf, mitzukommen.

Die beiden schlaksigen Jungs zu meiner Rechten, der Sitznachbar des Alleswissers mit dem blauen Ring sowie der Vater von ganz hinten im Bus mit seinen beiden Kindern, die Mutter mit den Teenagern und eine Reihe weiterer Reisender folgen der Aufforderung.

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