Moderne Sklavenhaltung

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18-04-19 10:46:00,

von Adriana Sprenger

„Was machst Du denn eigentlich so beruflich?“ — Diese Frage wird in einem Gespräch mit neuen Bekanntschaften oft recht früh gestellt. Menschen definieren sich selbst durch ihre berufliche Tätigkeit und werden in der Gesellschaft darüber definiert. Arbeit bestimmt unser Leben. Wir gehen nicht nur jeden Tag arbeiten, um Geld zu verdienen. Wir gehen arbeiten, um weiterzukommen, um unser Selbstwertgefühl zu steigern und unser Leben strukturiert zu halten. Jeder hat einen anderen Antrieb, der ihn täglich aus dem Haus jagt und in das Arbeitsleben laufen lässt.

Nun gibt es einen Bereich der Arbeitswelt, der für mich selbst nie wirklich präsent war. Einfach, weil ich selbst noch nie damit in Berührung gekommen war. Dies hat sich jedoch schlagartig geändert, als ich — noch relativ unwissend — einen Job als Personaldisponentin bei einem bayrischen Personaldienstleister angenommen habe. Zum einen bin ich froh, diese Erfahrung gemacht zu haben, da ich sonst niemals eine Sensibilität für dieses und auch viele andere Themen entwickelt hätte. Doch habe ich mich nie so leer und fehl am Platz gefühlt wie sehr oft in dieser Zeit.

„Zeitarbeit bedeutet ,Arbeiten auf Zeit‘: Eine Arbeitnehmerin beziehungsweise ein Arbeitnehmer (der Leiharbeitnehmer) hat einen Arbeitsvertrag mit einer Verleihfirma (dem Verleiher) geschlossen. Die Verleihfirma setzt sie beziehungsweise ihn daraufhin befristet bei einem oder mehreren Kunden (dem Entleiher) ein.“ So lautet also die offizielle Definition auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit, die Hand in Hand mit den sogenannten Verleihern zusammenarbeitet. Hier herrscht reger Austausch, um auch das Nichterscheinen zu Vorstellungsgesprächen zu sanktionieren.

Zudem heißt es auf der Seite der Bundesagentur: „Zeitarbeit (Arbeitnehmerüberlassung) ist eine Möglichkeit, die Zeit zur nächsten Festanstellung zu überbrücken.“ Und in der Rubrik „Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt“ vom Januar 2019, in der sich alles rund um das Thema „Aktuelle Entwicklungen in der Zeitarbeit“ dreht, steht geschrieben: „Zeitarbeit bietet jungen Menschen, Geringqualifizierten und Ausländern eine gute Einstiegsmöglichkeit in den Arbeitsmarkt.“ Klingt gut, oder?

Ich kann leider aus eigener Erfahrung sagen, dass ein gelungener Einstieg ins Berufsleben oder eine kurze Überbrückung zur nächsten Festanstellung ganz anders aussieht. Zumindest im Bereich der Helfertätigkeiten, die den größten Teil des Leiharbeitssektors ausmachen (1). Die meisten Mitarbeiter, die bei Personaldienstleistern unter Vertrag stehen und gerade verliehen werden, wandern von einem zum nächsten, da die betriebsbedingte kurzfristige Kündigung meist nicht lange auf sich warten lässt.

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