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20-04-19 12:09:00,

Harald V. von Norwegen und der Widerstand gegen die Verseuchung des Feuerlandes durch das Lachsfarming. Puerto Williams, das südlichste Dorf der Welt, am vergangenen 31. März. Knapp einhundert Demonstranten – vor allem Nachkommen der ausgerotteten Ureinwohner-Stämme der Kawéskar und Yaganes – sammeln sich vor dem örtlichen Martin-Gusinde-Museum für Völkerkunde und skandieren “¡No a las salmoneras!”, was ins Deutsche übersetzt bedeutet, “Stoppt die Lachsfarmen!”. Ein Bericht von Frederico Füllgraf.

Der Protest wird von zwei Ironien umrankt; einer lachhaften und einer zynischen. Die närrische Gegebenheit ist, dass die Zielpersonen des Protestes – das norwegische Monarchen-Ehepaar, König Harald V. und Königin Sonja – die Demonstranten von drinnen, aus dem Schutz des Museums, beobachten. Doch der an blanken Zynismus grenzende Spott ist der Umstand, dass sie sich ausgerechnet in der Gedenkstätte an den Breslauer Ethnologen und Priester der Steyler-Mission, Martin Gusinde, verstecken.

Der Völkermord – eine Rückblende

Gusinde unternahm zwischen Ende 1918 und 1924 vier Forschungsreisen nach dem Feuerland, deren Ziel es war, die von Ausrottung durch Krankheiten und Genozid durch europäische Siedler bedrohten Feuerland-Kulturvölker zu erforschen und dokumentieren. Während seines längeren, 22 Monate langen Aufenthaltes nahm Gusinde im Auftrag des Berliner Phonogramm-Archivs Lieder und Gesänge auf und betätigte sich als Pionier-Fotograf von Initiationsriten und Kultur der Feuerland-Überlebenden, deren Pracht in seinen Hauptwerken “Begegnungen auf Feuerland” und “Die Feuerlandindianer Band I-III” unübertrefflich dargestellt ist.

Gusindes Sensibilität gelang es, mit seinen Schilderungen des kulturellen Reichtums der Fueguinos genannten Ureinwohner die schon damals verbreiteten rassistischen Klischees von den vermeintlich „unzivilisierten Wilden“ zu widerlegen – Klischees, die beispielsweise von einem jungen Herren aus erlauchtem britischen Hause stammten: Sir Charles Darwin. Der damals 24-jährige Brite verbreitete doch tatsächlich in seinem Buch „Die Fahrt der Beagle“ folgende Gedanken-Perle über die Feuerland-Indianer: „Ich hätte nicht geglaubt, wie groß der Unterschied zwischen dem wilden und dem zivilisierten Menschen ist: Er ist größer als zwischen wildem und domestiziertem Tier insofern, als beim Menschen ein größeres Vermögen zur Besserung vorhanden ist.“

Manch einer fragt sich heute noch, hat Darwin mit seiner rassistischen Wertschätzung dazu beigetragen, dass die Feuerländer als „Wilde” diffamiert, zum Freiwild deklariert und damit gnadenlos ausgerottet wurden? Ferner gehört zu Gusindes Verdiensten, die Folgen des hirnlosen Darwin-Klischees zu dokumentieren und ersten Protest gegen die Tragödie anzumelden,

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