Boykott, das heißt … ?

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22-04-19 10:20:00,

Bild: Martin Abegglen/CC BY-SA-2.0

Was mit dem extrem strittigen und polarisierenden Begriff überhaupt gesagt wird, scheint in der politischen Debatte niemanden zu interessieren

0.1 “Boykott” – kaum ein Begriff sorgt derzeit für mehr Furore. Speziell wenn es um die BDS-Bewegung geht (BDS für: Boycott, Disinvestment, Sanction). Während die BDS-Befürworter auf die Verteidigung der Menschenrechte auch für Palästinenser hinweisen, berufen sich die BDS-Gegner auf Antisemitismus – und schon machen sich deutsche Städteverwaltungen (u.a. in München und Frankfurt) die Hosen voll und verbieten in ihren Räumen Veranstaltungen, in denen Thesen und Forderungen dieser Boykott-Bewegung auch nur – vielleicht ja sogar kritisch! – thematisiert werden. Diskurs-Ethik? Wenn es um “Boykott” geht: pure Sonntags-Reden-Rhetorik.

Kurz: “Boykott”, ein typisch politischer Begriff: wertbeladen, extrem strittig und polarisierend – und notorisch unklar. Und letzteres offenbar mit Bedacht. Jedenfalls fliegen in den diversen Boykott-Debatten nur so die Fetzen; aber was mit der Verwendung dieses Begriffs überhaupt gesagt wird und was nicht, das interessiert in dieser Debatte bisher offenbar niemand.

0.2 Dass in der politischen Auseinandersetzung Klarheit oft gar nicht erwünscht ist, ist nichts Neues. Aber es überrascht doch sehr, wie erschreckend wenig man sich bisher auch in der ganzen angeblich theoretischen (sozial- und politikwissenschaftlichen wie historischen) Boykott-Debatte um diesen Streit-Begriff gekümmert hat. Ist die Furcht, mit einer zu klaren politischen Rede seine Karriere aufs Spiel zu setzen, wirklich immer noch bzw. schon wieder so groß? Feigheit – auch für Akademiker erste Bürgerpflicht?

Eine echte Herausforderung also für jene Art Philosophie, der begriffliche Klarheit am allerwichtigsten ist: der Analytischen. Diese sieht in der Boykott-Debatte nicht ein Arsenal für die Produktion weiterer politischer Totschlagargumente, vielmehr stellt sie, ehe sie sich auf die heiße Bewertung diverser Boykott-Aktionen (i.F. auch kurz: B-Aktionen) einlässt, zuerst einmal klipp und klar die Frage, worum es bei solchen Aktionen überhaupt geht.

0.3 Genau wann ist eine Aktion eine B-Aktion? Nur um diese Definitionsfrage geht es in dieser Skizze. Auf die Frage, wie es um die moralische Bewertung einer so definierten B-Aktion (und dann auch speziell einer BDS-Aktion von der-und-der Art) steht, zu dieser ganz anderen Frage demnächst erneut an dieser Stelle.

1.1 Richten wir also die Frage, wann ein Tun als eine B-Aktion gelten soll,

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