Der Verrat

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23-04-19 12:01:00,

von Jonathan Cook

Von dem Moment an, als Julian Assange in der Botschaft Ecuadors in London Zuflucht gesucht hatte, also seit sieben Jahren, haben sie uns erzählt, wir würden uns irren, wir seien paranoide Verschwörungstheoretiker. Sie erzählten uns, es bestünde keine wirkliche Gefahr, dass Assange an die USA ausgeliefert würde, unsere Fieberphantasien spielten uns einen Streich.

Sieben Jahre lang mussten wir einem Chor aus Journalisten, Politikern und „Experten“ zuhören, die uns erzählten, Assange sei bloß ein Justizflüchtling. Auf das britische und schwedische Justizsystem sei Verlass, Assanges Fall würde in vollem Einklang mit dem Gesetz behandelt werden. Kaum eine „Mainstream“-Stimme erhob sich während dieser Zeit zu seiner Verteidigung.

Von dem Moment an, als er sich um Asyl bemühte, wurde Assange geächtet. Seine Arbeit als Gründer von WikiLeaks — einer digitalen Plattform, die erstmalig in der Geschichte einfachen Leuten die Möglichkeit eröffnete, in die dunkelsten Tiefen der sichersten Tresore des tiefsten der Tiefen Staaten zu blicken — wurde einfach ausradiert.

Einst eine der wenigen herausragenden Persönlichkeiten unserer Zeit, wurde Julian Assange nun zu nichts als einer Sex-Plage und einem schmuddeligen Missachter von Kautionsauflagen reduziert — der Mann, der eine zentrale Rolle in den Geschichtsbüchern einnehmen wird, sollten wir als Spezies lange genug leben, um diese Bücher zu schreiben.

Die politische und mediale Klasse fabrizierten ein Narrativ von Halbwahrheiten über die Anklagen bezüglich sexueller Übergriffe, wegen derer in Schweden gegen Assange ermittelt wurde. Sie ignorierten die Tatsache, dass der ursprüngliche Staatsanwalt — der die Anklagen fallen gelassen hatte — Assange erlaubt hatte, Schweden zu verlassen. Ein anderer Staatsanwalt, der einer gut belegten politischen Agenda folgte, rollte den Fall wieder auf.

Auch erwähnten sie nicht, dass Assange stets bereit war, von schwedischen Strafverfolgern in London befragt zu werden — wie es in Dutzenden anderer Fälle geschehen war, in denen es um Auslieferungsverfahren nach Schweden ging. Es schien fast so, als wollten die schwedischen Beamten die Beweise, die zu besitzen sie behaupteten, gar nicht wirklich prüfen.

Die Höflinge aus Medien und Politik betonten unentwegt Assanges Verstoß gegen die Kautionsbedingungen und ignorierten dabei die Tatsache, dass Asylsuchende, die vor juristischer und politischer Verfolgung fliehen, sich in der Regel nicht an die Kautionsvorschriften halten, die ihnen eben jene staatlichen Behörden auferlegten, vor denen sie Asyl suchen.

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