Juncker will vor Europawahl gegen Lügen kämpfen – und wird selbst überführt

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23-04-19 07:18:00,

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat angekündigt, vor der Europawahl gegen Fake News und Lügen ankämpfen zu wollen. In bereits dokumentierten nichtautorisierten Zitaten sprach er von Russland, jetzt heißt es „außerhalb der EU“. Doch nichts verschwindet aus dem menschlichen Gedächtnis, nicht einmal seine Reden aus dem Jahr 2011.

Am Montag kommentierte Juncker gegenüber der Funke Mediengruppe, er wolle entschlossen gegen Lügen im Europawahlkampf vorgehen, und zwar „in den nächsten Wochen vor der Wahl auch vermehrt selber“. Er meint damit falsche Behauptungen von Regierungen über die EU oder die Kommission, aber auch Manipulationsversuche, auch aus den Mitgliedstaaten der EU. Als Beispiel nannte der Kommissionschef den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban, der behauptet, Juncker sei schuld am Brexit. Anfang März sagte Juncker übrigens im ZDF, wer in europäischen Dingen aus innenpolitischen Gründen lüge, müsse sich die Frage stellen, ob er noch weiterhin zum Club der Europäischen Volkspartei (EVP) gehören möchte. „Ich bin der Meinung, er gehört nicht mehr dazu“, erwiderte damals Juncker.

Angela Merkel und Jean-Claude Juncker

©
AFP 2019 / OLIVIER MATTHYS

In Bezug auf Desinformation sagt er heutzutage: „Ich sehe schon den Versuch, die Wahl zum EU-Parlament durch Manipulationen zu beeinflussen. Das kommt aus mehreren Ecken, nicht nur von außerhalb der EU.“

„Ab Mittwoch nach Ostern wird zurückgeschossen“?

Doch in vielen Medien werden immer noch andere Zitate Junckers angeführt, wie etwa „Ab Mittwoch nach Ostern wird zurückgeschossen“ oder „Das kommt aus mehreren Ecken, nicht nur von Russland“. Die Nachrichtenagentur afp meldete daraufhin, diese Sätze seien laut Funke Mediengruppe nicht von Juncker freigegeben worden. Es heißt, entweder hat Juncker dies wörtlich gesagt, wollte es aber nicht öffentlich machen, oder die Agentur hat seine Worte selbst umgedeutet. Merkwürdig ist auch, dass das erste Zitat wie eine Ableitung von dem bekannten Hitler-Zitat aussieht: „Seit fünf Uhr fünfundvierzig wird jetzt zurückgeschossen“, in Bezug auf den SS-Überfall auf den Sender Gleiwitz am 31. August 1939 verwendet.

„Wenn es ernst wird, muss man lügen“

Man erinnert sich noch an Junckers Auftritt in Brüssel mitten in der Eurokrise 2011, als er sagte: „Wenn es ernst wird, muss man lügen.“ Dieser Satz taucht immer wieder auf, selbst wenn behauptet wird, es sei „falsch interpretiert“.

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