Der Aussteiger

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24-04-19 07:05:00,

von Danny Sjursen

„In den Schützengräben war uns Patriotismus fremd — und wir lehnten ihn ab, fanden wir ihn doch eher passend für Zivilisten oder Gefangene.“ — Robert Graves, Goodbye To All That (1929).

Ich gehöre zu den Glücklichen. Ich bin nochmal davongekommen, verlasse ich doch den Irrsinn des Army-Lebens mit einer bescheidenen Rente und im Besitz all meiner Gliedmaßen. Wir beide — die Army und ich — wussten, dass es für mich an der Zeit war, zu gehen. Ich hatte es satt, den Büttel für das Imperium zu spielen, und die Army war es leid, mit meinen kritischen Artikeln umzugehen und die Kosten für meine scheinbar endlosen PTBS-Behandlungen zu übernehmen. Nun bin ich zum Gesellschaftsproblem geworden — losgelassen auf eine zivile Welt, die ich nie mit erwachsenen Augen betrachtet habe.

Ich bin West Point im Juli 2001 beigetreten, noch in einer vergangenen, relativ friedlichen Ära — man könnte sagen, kurz bevor der Sturm um 9/11 losbrach. Ich verlasse nun ein Militär, das außergewöhnlich stark am globalen Kriegsgeschehen beteiligt ist und sich selbst zur Polizei einer zunehmend militarisierten Welt ernannt hat.

Ich habe mich gewissermaßen im Alter von 35 Jahren aus der Army hinausgestohlen — meine vorzeitige Pensionierung ist das schmähliche Ende einer einst vielversprechenden Karriere. Verstehen Sie mich richtig, ich wollte raus. Ich bin in 18 Jahren elfmal umgezogen, davon oft genug in Kriegsgebiete, und eine weitere Entsendung war einfach nicht mehr drin. Dennoch würde ich lügen, wenn ich nicht zugäbe: Ich betrauere den Verlust meiner Karriere, der Identität, die mir das Soldat-Sein verlieh, und der Erfahrung, von einer dankbaren — wenn auch schlecht informierten — Gesellschaft glorifiziert zu werden.

Vielleicht ist das auch ganz normal, wie peinlich auch immer mir dieses rührselige Geständnis sein mag. Wenigstens erkenne ich hier ein Paradox: Die Army und der weltweite Kampf gegen den Terror machten mich zu dem, der ich heute bin. Sie riefen eine neue Version meiner selbst ins Leben und beschenkten mich — wenn man diesen Begriff für etwas so Schreckliches überhaupt benutzen darf — mit den Geschichten, der Bühne und dem Schmerz, die nun mein Schreiben ermöglichen.

Vor allem die Stationierung im Irak und in Afghanistan verwandelten einen angehenden Neocon in einen unerschrockenen Progressiven. Meine Erfahrungen dort machten aus einem unsicheren,

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