Telematik-Versicherung: Ein Algorithmus entscheidet, wer sicher fährt

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25-04-19 08:24:00,

Immer mehr KfZ-Versicherungen werben mit so genannten Telematikverträgen. Dabei wird im Auto eine mit Sensoren ausgestattete Box angebracht, welche Daten zum Fahrverhalten aufzeichnet und später an die Versicherung weiterleitet. Wer vorausschauend fährt, soll dann weniger zahlen, so das Versprechen.

Aber was heißt eigentlich sicheres Fahren? Auch die HUK Coburg bietet einen Telematik-Vertrag an. In den Tarif-Bedingungen wird nur grob umrissen, was einen schlechten Einfluss auf den Score hat. Dazu gehören offensichtliche Faktoren wie Geschwindigkeitsübertretungen oder schnelle Beschleunigung, heftiges Abbremsen und starke Kurvenfahrt. Aber auch welche Strecken gefahren werden sowie die Länge der Fahrt wirken sich aus. Außerdem überwacht die App, ob mit dem Smartphone während der Fahrt ohne Freisprecheinrichtung telefoniert wird.

Wie der „Gesamtfahrwert“ errechnet wird, bleibt geheim

In der App der Versicherung erhält der Kunde dann Hinweise und einen Score. Wie dieser entsteht, bleibt allerdings Geheimnis der Versicherung. Als Versicherungsnehmer kann ich mich also nur an groben Angaben orientieren, außerdem könnte sich der Algorithmus jederzeit ändern.

Screenshots der Telematik-AppAusschnitte aus der App. Alle Rechte vorbehalten Screenshot / HUK Coburg

Die HUK-COBURG Datenservice- und Dienstleistungen GmbH bewerte das Fahrverhalten auf der Grundlage wissenschaftlich anerkannter mathematisch-analytischer Modelle und Verfahren unter Berücksichtigung der verschiedenen Kriterien, heißt es auf dem Twitter-Kanal des Unternehmens.

Als eine Person auf Twitter mehr Details forderte, reagierte das Unternehmen so:

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine detaillierte Auskunft geben können, welche Kriterien wie gewertet werden. Die Berechnung unterliegt der unternehmerischen Freiheit.

Gegenüber netzpolitik.org sagt der Pressesprecher der HUK Coburg, dass die Bedingungen der Versicherung ganz bewusst keine konkreten Grenzwerte enthalten würden. Diese könnten Fahrer zu riskanten Fahrmanövern verleiten. Darüber hinaus würde die konkrete Information dem Fahrer in der konkreten Situation ohnehin nicht weiterhelfen.

Datenforscher Wolfie Christl sieht das anders. Gegenüber netzpolitik.org sagt er: „Wenn ökonomisch relevante Entscheidungen über Menschen auf Basis von detaillierten Daten über Alltagsverhalten getroffen werden, ist das mehr als heikel. Größtmögliche Transparenz ist hier die absolute Minimalforderung.“ Der Hinweis auf „geschäftspolitische Gründe“ oder „unternehmerische Freiheit“ sei völlig deplaziert.

Mit Daten beweisen, dass man kein Risiko ist

Während das Fahrverhalten wie Geschwindigkeitsübertretungen oder schnelles Beschleunigen tatsächlich in der Hand des Fahrers liegen, kann nicht jeder entscheiden, ob er nachts fährt oder häufig in Innenstädten. Hier können die Telematik-Tarife das Solidarprinzip von Versicherungen gefährden.

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