Wie sich die Aufwertung von Gratisarbeit für alle auszahlt

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25-04-19 06:14:00,

Werner Vontobel / 25. Apr 2019 –

Sollen Frauen für Hausarbeit bezahlt werden? Diese Idee wird besser, wenn wir die Care-Arbeit in ihren grösseren Rahmen stellen.

In der Schweiz arbeiten Männer und Frauen in etwa gleich viel, doch die Frauen verdienen 108 Milliarden Franken oder 44 Prozent weniger als die Männer. Mit diesen zwei Zahlen bringt die Gender-Ökonomin Mascha Madörin die Benachteiligung der Frauen in der Arbeitswelt auf den Punkt: An ihnen bleibt die Arbeit hängen, die entweder nicht oder schlecht bezahlt ist.

Wie kommt das? Und wie kann man dieses Marktversagen korrigieren? Mit diesen Fragen befasst sich Madörin seit sie (wie der Autor dieser Zeilen) Ende der 1960er Jahre in Basel Ökonomie studiert hat.

In einem Interview in “Moneta”, der Zeitung der Alternativen Bank Schweiz (ABS), sagt sie: “Wir arbeiten an einer Theorie für die Care-Ökonomie als vierten Wirtschaftssektor.” Weil diese Arbeit bisher gratis geleistet wird und deshalb wenig Widerhall findet, fordert sie ein “makroökonomisches Forschungsinstitut zur Care-Ökonomie und ihrer Verzahnung mit den anderen Sektoren.”

Bezahlte und unbezahlte Arbeit verzahnen

Wohlan, verzahnen wir! Finden wir eine Theorie, die erklärt, wie sich bezahlte und unbezahlte Arbeit zueinander verhalten:

Der Zweck beider Arten von Arbeit ist die Befriedigung unserer Bedürfnisse. Der gemeinsame Nenner ist die Zeit. Sowohl bezahlte als auch unbezahlte Arbeit beanspruchen einen Teil unseres auf 24 Stunden pro Tag beschränkten Zeitbudgets. Daraus ergibt sich ein Optimierungsproblem, das eigentlich alle Ökonominnen und Ökonomen faszinieren müsste: Mit welcher Mischung aus bezahlter und unbezahlter Arbeit können wir mit der jeweiligen Produktionstechnologie unsere Bedürfnisse am besten befriedigen beziehungsweise unser Überleben sichern? Zweite Frage: Wie wird die Arbeit auf die Geschlechter verteilt – entsprechen die alten Rollenverteilungen noch den modernen Bedürfnissen?

Diese Fragen wurden deshalb nie gestellt, weil die Ökonomen damals wie heute an allen Fakultäten Wirtschaft mit Markt gleichgesetzt haben. Deshalb kann die Ökonomin Mascha Madörin – genau wie der Autor dieser Zeilen – ein halbes Jahrhundert nach dem Studium sagen: “Ich bin jetzt 73, und bei gewissen Fragen denke ich: Verdammt noch mal, warum habe ich mir das bis jetzt nie überlegt?”

Optimaler Mix von Eigen-, Staats- und Marktwirtschaft

Jetzt denke ich darüber nach und komme zu folgenden Erkenntnissen:

Um zu überleben und seine Bedürfnisse zu decken,

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