Wohnungsnot und Mietexplosion – wir müssen die Verteilungsfrage diskutierten

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25-04-19 10:56:00,

Wenn sich nicht nur Gering-, sondern mittlerweile sogar Normalverdiener in den Ballungsräumen keine Wohnung mehr leisten können, ist dies ein Alarmsignal und es ist gut, dass dieses Problem im Kielwasser des Berliner Volksbegehrens wieder öffentlich diskutiert wird. Leider fehlt es der Debatte jedoch häufig an Substanz und sowohl von der liberalen als auch von der linken Seite wird mit Idealvorstellungen gearbeitet, die so nicht haltbar sind. Bevor man in die Detailfragen der Wohnungspolitik geht, sollte man erst einmal eine sehr grundsätzliche Frage ernsthaft diskutieren: Wie will unsere Gesellschaft knappe Güter der Daseinsvorsorge verteilen? Denn wenn wir dies nicht diskutieren, ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Von Jens Berger.

Die gerechte Verteilung von Grund und Boden und dem darauf geschaffenen Wohnraum ist eines der interessantesten Problemfelder der politischen Ökonomie. Denn Grund und Boden sind nun einmal zweifelsohne knappe Ressourcen, die sich auch nicht vermehren lassen und selbst beim Wohnraum gibt es abseits von Ästhetik und politischem Gestaltungswillen Grenzen, wie beispielsweise ein Blick auf die Hochhausschluchten von Hong Kong trefflich demonstriert. Wenn die Nachfrage nach Wohnraum größer ist als das Angebot, muss es einen Verteilungsmechanismus geben, der festlegt, wer zum Zuge kommt und wessen Wunsch nicht in Erfüllung geht. Wie könnte man beispielsweise die Vergabe von Wohnraum in einer attraktiven Gegend wie dem Hamburger Schanzenviertel gesellschaftlich regeln? Wer soll nach welchen Kriterien festlegen, wessen Wunsch auf Wohnraum in Erfüllung geht und wessen Wunsch nicht?

Möglichkeiten gibt es viele …

Vertreter des Naturrechts, wie beispielsweise der libertäre Ökonom Murray Rothbard, würden die Verteilung knapper Güter der Natur überlassen. Konkret hieße dies dann, dass der Stärkste oder besser durchsetzungsfähigste Bewerber zum Zuge käme, der seine Konkurrenten um den begehrten Wohnraum mit Gewalt vertreibt. Zum Glück haben Rothbard und seine Anhänger, wie der deutsche Ökonom Hans-Hermann Hoppe, abseits radikaler Zirkel der Tea-Party-Bewegung in den USA kaum eine politische Bedeutung, so dass eine Kündigung des Gesellschaftsvertrags und eine Rückkehr zum Naturzustand eigentlich nicht weiter diskutiert werden muss.

Ersetzt man physische durch finanzielle Stärke kommt man über kurz oder lang zum heute global weitverbreitetsten Verteilungsmechanismus für knappe Güter – den Markt. Wie bei einer Versteigerung erhält hier derjenige den Zuschlag, der bereit ist, für Grund und Boden beziehungsweise dem darauf errichteten Wohnraum am meisten zu zahlen. Dieses Verteilungssystem hat den großen Vorteil, dass es größtmöglich transparent und ungemein flexibel ist.

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