Viagra für Argumentationschwache

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30-04-19 09:06:00,

Ein „Verschwörungstheoretiker“ stirbt unerwartet! Stellen wir uns das vor. Ein prominentes Gesicht aus den Kreisen, die von der Mainstream-Presse als „verschwörungstheoretisch“ betitelt werden, segnet unerwartet das Zeitliche. Wie würden die großen Pressehäuser, die ARD, das ZDF, aber auch Denunzianten-Plattformen wie Psiram oder Facebook-Seiten wie Friedensdemo-Watch reagieren? Sportlich und fair? Darüber berichten, dass XY unerwartet verstorben ist, der in der Vergangenheit zu Themen wie 9/11 oder dem Migrationspakt vom Mainstream abweichende Standpunkte vertrat? Und angesichts seines Todes über diese Differenzen hinwegsehen und den Hinterbliebenen viel Kraft in diesen schweren Zeiten wünschen?

Oder würden diese Medien wie bei den beiden kürzlich verstorbenen George H. W. Bush und John McCain reagieren — nur umgekehrt: So wie man Bush und McCain aller Gräueltaten zuwider einen Heiligenschein ausstellte, würden dem „Verschwörungstheoretiker“ stattdessen Teufelshörner aufgesetzt und alle humanistischen Ansätze ausgeblendet werden? Ließe man die Vita des verstorbenen „Verschwörungstheoretikers“ so negativ Revue passieren, wie es die verbliebenen Sitten gerade noch so zulassen?

Die zweite Variante klingt wesentlich realistischer. Und hier müssen wir der Frage nachgehen: Wie weit ist die Entmenschlichung dieser Personen im öffentlichen Diskurs bereits vorangeschritten? Bisher drehte sich die Debatte eher darum, was dieser Kampfbegriff aussagt, welche Funktionen er hat und woher er stammt. In diesem Artikel soll es primär um die entmenschlichende Funktion dieser Begriffsverwendung gehen. Vorab kann es allerdings nicht schaden, wenn wir die Entwicklung des Begriffes samt seiner Wirkung in den vergangenen Jahren betrachten. In diesem Artikel wird der Begriff der „Verschwörungstheorie“ oder des „Verschwörungstheoretikers“ zumeist in Anführungsstriche gesetzt. Damit möchte ich meine persönliche Abgrenzung zur Verwendung dieser Begriffe deutlich machen.

Die erstmalige Zusammensetzung der Begriffe „Verschwörung“ und „Theorie“, respektive „conspiracy“ und „theory“, wird häufig auf das CIA-Memo „Document 1035-960, Concerning Criticism of the Warren Report“ datiert. Dieses wurde im Zuge des Kennedy-Attentates vom CIA-Büro in Phoenix ausgehend an sämtliche Stellen des Secret Service versendet. Mit dem Begriff sollten all jene als conspiracy theorists gebrandmarkt werden, die an die physikalischen Gesetze und nicht an magische Patronen glauben, die in der Luft auf Wunsch des Schützen Kurven fliegen und mehrere gewünschte Ziele treffen können. Die Liste an Ungereimtheiten bezüglich des Kennedy-Attentats füllt Seiten.

Bis zur großen, durch das Netz ermöglichten Informations-Revolution zu Beginn dieses Jahrzehnts schlummerte der Kampfbegriff wie ein stiller Vulkan vor sich hin. Zum Ende der Jahrtausendwende konnte man sich mit diesem Begriff sogar noch schmücken.

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