Die Sprach-Inquisition

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02-05-19 09:50:00,

Aktuell ist in Europa und den USA ein Erstarken nationaler, rechtspopulistischer Bewegungen zu beobachten. Vor diesem Hintergrund sehen sich linke Parteien und Bewegungen dazu gezwungen, sich mit den Gründen ihres eigenen Scheiterns auseinanderzusetzen.

Die Ursachen für dieses Scheitern sind vielfältig. Sie reichen von fatalen Fehlentscheidungen gegenüber der eigenen Klientel, in Deutschland vor allem unter der Ära Schröder, über ideologie-geprägtes Einander-Zerfleischen, besonders anschaulich am Holpern und Stolpern von „Aufstehen“, bis hin zu Ohnmachtshaltungen gegenüber entfesselten globalen Finanz- und Handelsbeziehungen, besonders eindrücklich am Umgang mit der Griechenland-„Krise“ und fröhlich weiter spekulierenden Brokern.

Zu dieser schieren Endlosliste an politischem Versagen gesellt sich aber auch ein sprachliches Versagen, das bislang viel zu wenig beleuchtet wurde und immer mehr Menschen vom Mitreden ausschließt. Dafür mitverantwortlich sind Meinungsmacher, die auf der Basis ihrer akademisch-geisteswissenschaftlichen Ausbildung anderen das „richtige“ Sprechen vorgeben und leider oft mit Arroganz auf vermeintlich ungebildete Bevölkerungsteile herabblicken.

Spätestens seit den 1980er Jahren geht es ausgehend vom sogenannten „linguistic turn“ in den humanistischen Disziplinen der Universitäten vornehmlich um Diskurse, Symbole und Sprachsensibilität. Was Wittgenstein als uneindeutiges und intransparentes Benennen der uns umgebenden Welt bezeichnete, griffen im 20. Jahrhundert verschiedene Philosophen und Sozialwissenschaftler auf: Foucault und Derrida befassten sich mit Machtstrukturen, Judith Butler unterschied Geschlecht und Gender, Jacques Lacan übertrug linguistische Modelle auf die Psychologie.

So unterschiedlich die Ansätze in den jeweiligen Fächern auch sind, sie alle eint der gemeinsame Blick auf das Sprechen: Es zementiert bestehende Hierarchien. Bekanntestes Beispiel sind die Gender Studies, die das in der deutschen Sprache vorherrschende Maskulinum kritisieren. Das Ziel: Frauen ebenso wie Minderheiten der LBGTQ-Communities, also Menschen mit nicht-heteronormativer Identität, sprachlich sichtbar zu machen und damit auch zu mehr Einfluss verhelfen.

Nun waren und sind die geistes- und sozialwissenschaftlichen Studiengänge traditionell eher links geprägt, was nicht nur auf Lehrende, sondern auch Studierende zutrifft. Wer Medien- oder Kulturwissenschaft studiert, wählt mit geringer Wahrscheinlichkeit CDU oder CSU. Wer Sprachen, Philosophie oder Journalismus lernt, hat sich gegen eine Ausbildung entschieden, die finanzielle Sicherheit bietet. Die Studierenden setzen Werte wie individuelle Freiheit und gesellschaftliche Gerechtigkeit häufig über spätere Einkommenschancen und berufliche Stabilität.

Für diesen zunächst einmal sehr sympathischen Typus Student, gerne im AStA und später bei der Linken oder den Grünen aktiv, kommen die Lehren des linguistic turn an den Universitäten einem Erweckungserlebnis gleich:

Durch Sternchen,

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