Wider das Vergessen: Odessa 2.Mai 2014 – Aufklärung durch Augenzeugen nicht überall erwünscht

wider-das-vergessen:-odessa-2.mai-2014-–-aufklarung-durch-augenzeugen-nicht-uberall-erwunscht

02-05-19 10:31:00,

Am 2.5.2019 jähren sich zum 5. Mal die Ereignisse von Odessa, bei dem insgesamt 48 Menschen – davon 42 im Gewerkschaftshaus – ermordet und hunderte schwer und schwerst verletzt wurden. Die NachDenkSeiten hatten die Gelegenheit, anlässlich dieses Jahrestages mit Oleg Muzyka, einem der Überlebenden, der seit 2017 als anerkannter Flüchtling in Berlin lebt, zu sprechen. Das Interview führte Andrea Drescher mithilfe einer russischen Übersetzerin.

Oleg Muzyka hat in dem Buch „Brennendes Gewissen – der 2. Mai in Odessa und die Folgen“ seine Erlebnisse an diesem Tag dokumentiert und will damit, wie auch mit seinen zahlreichen Interviews und Vorträgen, zu einer Aufklärung der Geschehnisse an jenem Tag beitragen.

Siehe dazu auch auf den NachDenkSeiten: Ulrich Heyden – Odessa 5 Jahre nach dem Brand im Gewerkschaftshaus.

Zunächst ein kurzer Überblick für all jene, die nicht wissen, was in Odessa geschah: In Folge der Maidan-Bewegung in Kiew entwickelte sich in Odessa Widerstand, da viele der Menschen dort mit den politischen Vorgängen in Kiew – also dem Putsch gegen Präsident Janukowitsch, der Abspaltung von Russland und der Hinwendung zu EU und NATO – nicht einverstanden waren. Auf dem Kulikowo Pole, dem Platz direkt vor dem Gewerkschaftshaus, entstand ein Protestcamp. Die Anti-Maidan-Bewegung war ein demokratischer und gewaltfreier Protest. Mit anfangs 500 Teilnehmern, dann 1000, dann 2000 wuchs der sichtbare Widerstand. Bis zu 25.000 Menschen (lt. Polizeiangaben) demonstrierten für mehr autonome Rechte, ein Referendum zur Föderalisierung, territorial-administrative Reformen, die Anerkennung von Russisch als gleichberechtigte Zweitsprache, freie Wahlen von Gouverneuren, Bürgermeistern, Polizeichefs und anderen Funktionsträgern sowie das Recht, die kulturellen, wirtschaftlichen und verwandtschaftlichen Verbindungen zu Russland zu pflegen.

Der Protest verlief über mehrere Wochen friedlich – bis am 2.5. 2014 mehrere hunderte Bewaffnete das Protestcamp in Odessa überfielen. Sie schlugen auf die Menschen im Camp ein und verfolgten Flüchtende bis ins Gewerkschaftshaus, wo sie sich hatten in Sicherheit bringen wollten. Die Zelte des Camps und schließlich das Gewerkschaftshaus wurden in Brand gesetzt; mindestens 48 Menschen starben in den Flammen, erstickten oder wurden zu Tode geprügelt.

Die Täter – geschweige denn deren Hintermänner – wurden nicht verfolgt. Im Gegenteil: wer direkt nach dem Pogrom von der Polizei inhaftiert wurde und nur auf öffentlichen Druck der Bevölkerung Odessas drei Tage später wieder frei kam – waren die Überlebenden des Pogroms.

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: