Vom Sichvertragen zur Konfrontation und Kriegsvorbereitung. Ein schreckliches Zeugnis der Konfrontation bei Zeit online.

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03-05-19 03:25:00,

Im 70. Jahr der Existenz der Bundesrepublik Deutschland zeigt ein Blick in die Geschichte, dass gravierende Veränderungen eingetreten sind – genauer gesagt betrieben worden sind. Wir hatten Phasen wirklichen Fortschritts und müssen jetzt gravierende und gefährliche Rückschritte diagnostizieren. Am 30. April erschien bei Zeit online ein herausragendes Dokument für den Rückschritt in der Außen- und Sicherheitspolitik. “Nato: Deutschland muss mehr in die Verteidigung stecken” – so war der Gastbeitrag von Elbridge Colby, Washington D.C. überschrieben. Albrecht Müller.

“Die Nato braucht eine starke Bundeswehr, und Deutschland muss mehr für die europäische Verteidigung leisten. Nicht trotz seiner Vergangenheit, sondern gerade deswegen.” So wurde der Beitrag des Direktors des Verteidigungsprogramms am Center for a New American Security in Washington eingeleitet. Der Autor ist nicht irgendwer, er war von 2017 bis 2018 stellvertretender Untersekretär für Strategie- und Streitkräfteentwicklung im US-Verteidigungsministerium. Was er schreibt, zeigt mit hoher Wahrscheinlichkeit ziemlich genau, was man in diesen Kreisen denkt. Von gemeinsamer Sicherheit zwischen dem Westen und Russland hält man dort offensichtlich nichts. Stattdessen wird der weiteren Rüstung massiv das Wort geredet. Da wird es als selbstverständlich betrachtet, dass Deutschland sich notfalls an einem Krieg gegen Russland beteiligt. Da wird der mögliche Anlass für einen solchen militärischen Konflikt ohne jede Differenzierung dargestellt: Im Baltikum könnte das “aggressive” Russland militärisch tätig werden, meint der Autor. Das wäre der Bündnisfall und Deutschland müsste, so die Vorstellung des Autors, leistungsfähige Divisionen ins Baltikum, an die russische Grenze oder darüber hinaus schicken.

In der Tat ist eine Krise in einem baltischen Staat einer der möglichen Gründe für einen neuen großen Krieg. Siehe dazu diesen Beitrag in den NachDenkSeiten, vor allem die Ziffern 7-10.

Der US-Militärplaner und Lobbyist verschweigt jedoch die möglichen Ursachen eines im Baltikum ausbrechenden Krieges: die ohnehin benachteiligten Russen, die dort leben, könnten von irgendwelchen nationalistischen rechten Gruppen provoziert oder gar massakriert werden. Russland sieht sich daraufhin unter Druck, zu Hilfe zu kommen. – Ein solcher Ablauf passt nicht ins Weltbild des US-amerikanischen Autors. Er betrachtet Russland quasi von Natur aus als Aggressor.

Das entscheidende Charakteristikum Texte seiness ist die Eindeutigkeit, mit der darin das Verhältnis des Westens zu Russland, vor allem das Verhältnis Deutschlands zu Russland dargestellt wird. Es ist eine Welt der Konfrontation, gerade auch der militärischen Konfrontation.

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