Die Antiquiertheit der Seele

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05-05-19 02:41:00,

Die Transhumanisten sind auf dem Vormarsch. Diese ausdrücklich technophile Bewegung sorgt mit unerhörten Thesen und provokanten Parolen für Furore. Nun erfolgt der Angriff auf die menschliche Seele

Der Terminus “Transhumanismus” gehört wohl zu den schillernsten Kunstwörtern der letzten Dekade. Das mediale Echo dieser Strömung hat einen enormen Anstieg zu verbuchen. Seit einiger Zeit dominiert der Transhumanismus die Feuilletonartikel. Das ist nicht verwunderlich, zumal der Transhumanismus mit polemischer Rhethorik die tiefsten Wünsche und Sehnsüchte der Menschheit affiziert.

Erklärtes Ziel prominenter Transhumanisten wie Nick Bostrom und Raymond Kurzweil ist die psychische sowie physische Optimierung (Enhancement) des Menschen durch innovative Technologien wie Gentechnik, Nanotechnologie, Informationstechnologie und Robotik. Durch entsprechende Modifizierungen des menschlichen Organismus soll sich die menschliche Spezies selbst transzendieren und in ein neues, transhumanes Entwicklungsstadium eintreten, in dem Armut, Krankheit und Tod endgültig überwunden werden sollen.

Hirn-Computer-Schnittstellen (engl. Brain-Computer-Interfaces BCI), Nanobots und Genome-Editing-Verfahren wie CRISPR/Cas9 sind nur einige Anwendungsbeispiele aus dem futuristischen Technik-Repertoire, welche dieses transhumanistische Enhancement-Programm bewerkstelligen sollen.

Dabei sind die Ambitionen der transhumanen Agenda keineswegs neu. Es gehörte immer schon zu den sehnlichsten Wünschen der Menschheit, ein ewiges Dasein frei von Krankheit und Leid zu fristen und mit den nötigen Mitteln ausgestattet, das Leben nach Belieben gestalten zu können.

Historische Belege dafür lassen sich bereits auf das 2. Jahrtausend v. Chr. datieren. Das famose babylonisch-sumerische Gilgamesch-Epos schildert die Suche des Halbgottes Gilgamesch nach der Unsterblichkeit. Dante verwendet in seiner “Divina Commedia” (Paradiso I), die zu Beginn des 14. Jh. entstand, den Terminus trasumanar, was eine nur wenigen Menschen vorbehaltene Wesenüberschreitung hin zu Gott meinte. Daran anschließend spricht Pico della Mirandola (15. Jh.) in seinem Werk “Die Würde des Menschen” (lat. De hominis dignitate) über die nach Selbstgestaltung und Autonomie strebende Natur des Menschen.

Doch bekanntlich ist es um jene, die den Tod bezwingen wollen, meist schlecht bestellt. So lehren uns schon die hellenischen Mythen, dass die Entscheidung über Leben und Tod ein Privileg der Götter ist. Bekannt ist das Schicksal von Sisyphos, des Königs von Korinth, der den Tod gleich mehrmals überlistete und deshalb zur ewigen Sinnlosigkeit verdammt wurde. Auch der antike Medicus Askeplios wurde von den Blitzen des Göttervaters zerschmettert,

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