Die Religionsunternehmer

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05-05-19 02:48:00,

Bild: Catedral Mundial da Fé, Gottesdienst in Rio de Janeiro/CC BY-SA 3.0

  1. Die Religionsunternehmer

  2. Reichtum als Zeichen der Gunst Gottes


  3. Auf einer Seite lesen

Wie evangelikale Megakirchen mit ihrem fundamentalistischen Kapitalismus-Kult im Brasilien Bolsonaros rapide an Einfluss gewinnen

Mission accomplished? Der neue Präsident Brasiliens wusste ganz genau, wem er seinen Wahlsieg zu verdanken hatte. Seinen ersten öffentlichen Auftritt nach dem gewonnenen Urnengang absolvierte Jair Bolsonaro in der evangelikalen Kirche seines Chefpropagandisten und engen Verbündeten Silas Malafaia. Der charismatische Prediger hat bei dieser Gelegenheit die kommende Amtszeit des rechtsextremen “Tropen-Trumps” in ein göttliches Licht getaucht:

Gott wird das Schicksal dieses Volkes verändern: Die Misere, die Gewalt, die Arbeitslosigkeit, die Korruption, das Elend – im Namen von Jesus Christus, treibe diese Gesandten der Hölle aus Brasilien hinaus!

Jair Bolsonaro

Der nie um Obszönitäten verlegene Rechtsextremist Bolsonaro, der schon mal pornographische Videos auf Twitter verbreitet, gilt als der Kandidat der aufstrebenden, konservativ-fundamentalistischen evangelikalen Bewegung in Brasilien. Während des Wahlkampfes bemühte sich der zweimal geschiedene Katholik Bolsonaro emsig um die Stimmen der gut vernetzten und rasch expandierenden evangelikalen Kirchen.

“Brasilien über alles, Gott über allem”

Schon der zentrale Wahlkampfslogan Bolsonaros, “Brasilien über alles, Gott über allem”, war darauf abgestimmt, Nationalismus und Chauvinismus mit christlichem Fundamentalismus zu amalgamieren. Der Hass des brasilianischen Präsidenten auf sexuelle Minderheiten, der ihn immer wieder zu entsprechenden Entgleisungen treibt, bildet genauso einen gemeinsamen Nenner mit den evangelikalen Fundamentalisten wie ein stockkonservatives Familienbild und eine repressive Abtreibungspolitik.

Vor zwei Jahren ließ sich Bolsonaro anlässlich einer Israel-Visite medienwirksam ein zweites Mal im Jordan taufen, was als ein Fingerzeig Richtung der evangelikalisch-fundamentalistischen Wählerschaft diente. Die dritte Frau des rechtsextremen Präsidenten Brasiliens stammte praktischerweise aus der Gemeinde seines evangelikalen Verbündeten Malafaia.

Diese Taktik war sehr erfolgreich, da die evangelikalen Stimmen einen wichtigen Faktor bei dem Sieg des Diktaturanhängers bildeten. Ersten Schätzungen zufolge sollen zwischen 70 und 73 Prozent aller evangelikalen Christen in Brasilien für Bolsonaro gestimmt haben.

Während die Wählerwanderung zur extremen Rechten innerhalb der Katholiken Brasiliens mit fünf Prozent relativ gering blieb und deren Stimmen sich beim vergangenen Urnengang nahezu gleichmäßig auf die Kandidaten der linken und der extremen Rechten verteilten,

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