Deutschlands Chefdiplomaten fehlt jeglicher diplomatische Instinkt

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06-05-19 02:16:00,

Deutsche Außenminister gefielen sich traditionell in der Rolle des Vermittlers, die in Krisenzeiten den so wichtigen Dialog aufrechterhalten und auf friedliche Lösungen hinarbeiten. Nicht so Heiko Maas. Seine Südamerika-Reise der letzten Woche legte einmal mehr den ganzen Dilettantismus der deutschen Außenpolitik offen. Während der von den USA angezettelte und von Deutschland mitgetragene Putsch in Venezuela mangels Rückhalts im Volk in sich zusammenbrach, verpasste Heiko Maas einmal mehr die Gelegenheit, in der Krise zu vermitteln. Stattdessen traf er sich mit den rechtsextremen Staatschefs Brasiliens und Kolumbiens und Vertretern der venezolanischen Opposition und heizte die Lage durch neue Sanktionsdrohungen zusätzlich an. Der Umstand, dass Deutschland zu allem Überfluss zur Zeit auch noch dem UN-Sicherheitsrat vorsteht, macht die Sache auch nicht gerade besser. Von Jens Berger.

Zwei Besuche, zwei Extreme. Vor etwas mehr als einer Woche besuchte der Linkspartei-Abgeordnete Andrej Hunko Venezuela und traf sich dort sowohl mit dem Oppositionsführer Guaidó als auch mit dem amtierenden Präsidenten Maduro, um seinen kleinen Teil dazu beizutragen, den Dialog aufrecht zu erhalten und auf eine friedliche Lösung der schweren Krise hinzuarbeiten. Große Erwartungen konnte man an diese Form der Pendeldiplomatie freilich nicht knüpfen. Hunko ist Oppositionspolitiker und hat keinen Einfluss auf die „große Politik“.

Ganz anders sieht dies bei seinem Kollegen Heiko Maas aus. Der ist zur Zeit Außenminister und maßt sich unkoordiniert sogar de facto an, die Venezuela-Politik der EU anzuführen. Während Hunko sich mit dem gewählten – durchaus aber auch zu kritisierenden – venezolanischen Präsidenten Maduro traf, erwies Maas dem faschistischen Präsidenten Brasiliens, Jair Bolsonaro, die Ehre – als erster hochrangiger Vertreter eines EU-Landes durchbrach er damit pünktlich zum 100. Tag der Präsidentschaft die bis dato bestehende informelle Isolierung des Landes. Man appellierte an die „strategische Partnerschaft“ und kündigte eine „engere Zusammenarbeit“ an.

„Sozialdemokratischer“ Außenminister unterstützt Putschisten in #Venezuela. Dieser Aussenmister hätte sicher auch Pinochet unterstützt. So wie er dem rechtsextremen #Bolsonaro auch beispringt auf den Spuren Trumps.
-Eine Schande! #HandsOffVenezuela #PuebloEnMirafloresConMadur https://t.co/CyChoKWdyD

— Sevim Dagdelen, MdB (@SevimDagdelen) 30. April 2019

So ganz geheuer war dem Auswärtigen Amt das prima Klima zwischen dem deutschen Chefdiplomaten und dem weltweit kritisierten Faschisten Bolsonaro dann aber wohl nicht.

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