“Regime Change is fashion” – Die Putschversuche als mediale Inszenierungen des Barrikadenhelden Juan Guaidó

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07-05-19 09:19:00,

Ton und Rhythmus der einleitenden Musikuntermalung sind zugleich anregend und cool, sie verkünden spannende Handlung oder ein „geiles” Produkt. Die Kamera gleitet in Großaufnahme über sich faltende Hände eines behaarten Männerarms. Aus vernebelter Einstellung dringt nun mit Sekunden kurzer Tiefenschärfe das Antlitz des lächelnden Protagonisten in den Mittelpunkt. Eine Hand rückt ein schmuckvolles Armband auf seinem linken Arm zurecht, ein Fotograf geht mit seiner Kamera in Stellung. Von Frederico Füllgraf.

Der zunächst hemdsärmelige Protagonist wird in verschiedenen Posen, nun aber mit sichtlich aufgesetztem Lächeln abgelichtet; er bindet eine Krawatte auf das schneeweiße, vermutlich gestärkte Hemd, er sitzt vor einem Beleuchtungs-Schirm, seine Arme schlüpfen in ein modegeschneidertes Sakko. Sein kritischer Blick prüft, ob es auch richtig sitzt.

Sodann zeigt die Leinwand eines Notebooks das Zwischenprodukt: „Der Typ ist fotogen!”. Die nächsten Einstellungen sagen: „Der Typ ist ein Sieger!“. Die Schlusseinstellung mit dem nun sinnlich drein lächelnden Hauptdarsteller wagt gar, Frauenherzen zu verführen: „Seht ihn Euch an, den sexy Helden!“.

Die Foto-Session des in Mexiko lebenden venezolanischen Fotografen Ram Martínez fand im zum improvisierten Studio umfunktionierten Büro der rechtsradikalen Partei Voluntad Popular (Volkswille) in Caracas‘ großbürgerlichem Bezirk Altamira statt. Sie bebilderte die Titelgeschichte der am vergangenen 29. April erschienenen Mexiko-Ausgabe des US-amerikanischen Herrenmagazins GQ (Gentlemen´s Quarterly).

Apropos: Altamira ist jener begrünte Glitzerbezirk von Caracas‘ oberen Zehntausend, ihrer Einkaufszentren, ihrer Aufmärsche gegen den Chavismus, der Guarimbas (Straßensperren) und ihrer vermummten und bewaffneten Gewalttäter, von der Mehrheit der westlichen Medien „Zivilisten“ genannt. „Brave Citoyens“ wie jene, die in den vergangenen Jahren mehrere Regierungsanhänger mit Benzin übergossen und am lebendigen Leibe verbrannten oder am 30. April von einem gepanzerten Polizeiwagen überfahren wurden, nachdem dieser mit Molotow-Cocktails angriffen und anschließend in Brand gesteckt wurde.

„Die Studio-Atmosphäre war heiter, denn dies war die Ausstrahlung Guaidós. Jeder von uns sehnte sich nach dieser wertvollen Gelegenheit, sodass wir jede Sekunde ausnutzten, um die Essenz, das Wesen des Präsidenten zu erfassen“, schrieb Martínez in einer GQ-Behind-The-Scenes-Chronik über die Guaidó-Fotos, die als Illustrationen für das von GQ bestellte Interview des venezolanischen Journalisten Luis Carlos Díaz dienten.

Díaz, der hauptamtlich als oppositioneller Menschenrechts-Aktivist tätig ist, war Anfang März 2019 vorübergehend vom venezolanischen Geheimdienst Sebin inhaftiert worden, nachdem Diosdado Cabello, Präsident der Verfassungsgebenden Versammlung,

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