Sigmar Gabriel: Europa soll machtpolitisch zum Flexitarier werden

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07-05-19 03:45:00,

Gabriel auf einer früheren Bühne als deutscher Außenminister zu Besuch beim ehemaligen US-Außenminister Tillerson, Februar 2017. Bild: US-Außenministerium/gemeinfrei

Der frühere SPD-Chef und Außenminister ist als Vorstandschef der Atlantik-Brücke vorgesehen

Der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel soll heute als Kandidat für den Vorstand der Atlantik-Brücke vorgeschlagen werden. Er löst Friedrich Merz (CDU) ab. Endgültig entschieden wird darüber erst bei der Mitgliederversammlung Ende Juni, aber die Personalie steht so gut wie fest.

Heißt das, dass Gabriel jetzt ein “Austragsstüberl” gefunden hat oder ist das eine Zwischenstation? Sein Vorgänger Merz ist wieder im Gespräch über Ministerposten, was manchen Unionsfunktionären auf die Nerven geht. Auch Gabriel, der mit 59 Jahren im “besten Politikeralter” ist und seinen Posten als Außenminister auf Geheiß seiner Partei und nicht unbedingt freiwillig abgetreten hat, wird einigen in seiner Partei auf die Nerven gehen, weil er sich weiter aus dem Hintergrund einmischt und damit auf die Probe stellt, wie sich das Machtgefüge in der Partei durcheinander bringen lässt.

Der Machtmensch auf der Atlantik-Brücke

Zuletzt machte er mit Breitseiten gegen den Juso-Vorsitzenden Kühnert auf seine Präsenz im Hintergrund aufmerksam, was vom Boulevard begeistert aufgenommen wurde. Das hat nicht nur öffentlich Wirkung, sondern besonders in der SPD, wo Gabriel seinen Machtwillen früher damit demonstrierte, dass Steinbrück, Steinmeier und Schulz im politischen Abseits verschwanden.

Was wird der Machtmensch aus dem Chefposten in der Atlantik-Brücke machen? Der Think Tank war ja vor ein paar Jahren noch Gegenstand größerer Debatten über das heimliche Wirken der Elite, bei der Alpha-Journalisten eingebunden waren. Selbst die zurückhaltende Kritik mahnte damals an, dass sie an der Fabrikation eines Konsens mitwirkten, der als “eng umgrenzte Zone des Denkbaren” beschrieben wurde, weshalb die “außenpolitische Debatte hierzulande zuweilen einen merkwürdigen amerikanischen Akzent” hatte.1

Die Zeiten haben sich seither geändert. Seit in den USA Trump Präsident ist und mit America first” ganz eigene Akzente setzt, ist auch der Einfluss der Atlantik-Brücke nicht mehr der gleiche. “Amerika wird nicht mehr so sein, wie es mal war”, sagt Gabriel gegenüber Gabor Steingart, dem er Konturen und Ideen zur Grundausrichtung der Atlantik-Brücke vorstellt. Steingart, der früher beim Spiegel gearbeitet und dann das Handelsblatt neu aufgestellt hat, rückt wie ein geschickter Conferencier den Ex-SPD-Chef und seine neue Aufgabe ins beste Bühnenlicht: “Die Zeitenwende in den transatlantischen Beziehungen hat ein Gesicht –

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