SRF: Lautsprecher-Journalismus für die SVP

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08-05-19 09:30:00,

Robert Ruoff / 08. Mai 2019 –

Medien müssen «Widersprecher» und nicht «Lautsprecher» sein, forderte Roger Blum. Ein guter Hinweis.

Die SVP ist in der Schweiz immer noch die grösste Partei. Das muss immer mal wieder gesagt sein. So sieht es jedenfalls das Fernsehen SRF. Seine Redaktor*innen und Moderator*innen tun das jedenfalls immer wieder. Jüngst zum Beispiel in der Tagesschau vom 3. Mai, also am Tag der Pressefreiheit.

Die SRF-Medienschaffenden bestätigen damit ungewollt Roger Blum, Ombudsmann der SRG Deutschschweiz. Blum hatte den Tag genutzt, um per Twitter die Lage der Presse so zu kennzeichnen: «Weltweit sind viel zu wenig Medien Widersprecher und viel zu viele Lautsprecher. Das muss sich ändern – mit Druck von unten und mit Druck von oben.»

Blum hat recht. Es ist erstaunlich, wie schnell man einem einschlägigen Beispiel begegnet, wenn ein Fachmann die Aufmerksamkeit darauf lenkt. Ein Beispiel strahlte am Abend des Tags der Pressefreiheit um 19.30 die «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens aus. Die Moderatorin meinte: «Nach den Erfolgen der grünen Parteien setzen auch BDP und FDP auf Klimapolitik». Das war im Fall der FDP eine etwas kühne Behauptung. «Ganz anders die grösste Partei, die SVP», meinte die Moderatorin, «sie will künftig das Autofahren und das Fliegen stärken.» Und es folgt der Bericht.

Nicht von Auto und Flugzeugen war vorerst die Rede, sondern vom Berner Bauer und SVP-Mitglied Daniel Lehmann. Seine Methode, mit Humusproduktion CO2 auf seinen Feldern zu binden, hat in der ganzen Schweiz das Medieninteresse geweckt. In der «Tagesschau» meint er: «Die Parteileitung muss ihren Standpunkt überdenken.»

Fragen bleiben aus

Doch die Parteileitung denkt nicht daran. Sie kämpft im neuen Verkehrspapier für einen grossen Strassenausbau, gegen die CO2-Abgabe auf Treibstoffen und gegen eine Flugticketabgabe. Parteipräsident Albert Rösti greift gleich zum politischen Vorschlaghammer. «Letztlich ist hinter dieser grünen, pseudoreligiösen Bewegung ein Umverteilungsprojekt sondergleichen, das wir nicht unterstützen können.» Keine Strassenabgaben für die Bahn, keine Verbote von Dieselautos, keine Förderung von Elektromobilen, kurz: die SVP macht sich zur Autopartei 2.0.

Die Frage lag auf der Hand, wie Rösti das seinem bäuerlichen Parteifreund Lehmann erklären will. Doch der Bundeshausredaktor stellte die Frage nicht. Der soeben zitierte SVP-Lokalpolitiker Lehmann ging völlig vergessen.

Der Journalist fragte auch nicht, ob der SVP-Präsident nicht weiss,

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