social-bots:-was-nicht-erkannt-werden-kann,-sollte-nicht-reguliert-werden

09-05-19 01:31:00,

Spätestens seit Donald Trump 2016 die Präsidentschaftswahl in den USA gewonnen hat, grassiert die Angst vor dem Einfluss der Meinungsroboter. Im US-Wahlkampf sollen automatisierte Accounts in sozialen Netzwerken Stimmung gemacht haben. Sehr viele für Donald Trump, deutlich weniger für Hillary Clinton. Die Befürchtung hinsichtlich von Social Bots ist: Wenn automatisierte Accounts einen Kandidaten oder eine Partei bejubeln, dann wird dieser politische Einfluss nicht von dem mit den besten Argumenten und den meisten Anhängern ausgeübt, sondern von dem Akteur, der am meisten Geld in Technik und Know-How stecken kann. Das könnte eine demokratische Auseinandersetzung verzerren – und ist deshalb nicht wünschenswert. Doch haben Bots wirklich so viel Einfluss, wie man angesichts nervöser Debatten immer wieder meinen könnte? Was sind überhaupt Bots?

Das Wort „Bot“ ist die Kurzform des englischen Wortes Robot (Roboter). Im Zusammenhang mit sozialen Medien ist ein Bot ein maschinell gesteuerter Account, der automatisiert Aufgaben erfüllt. Dabei können Bots sehr praktisch und völlig legitim sein. Die Netzpolitik-Redaktion hat zum Beispiel einen Bot, der in regelmäßigen Abständen überprüft, ob auf netzpolitik.org neue Artikel veröffentlicht wurden. Dann postet er Überschrift, den Link und das Artikelbild auf Twitter. Ganz von allein, ohne dass die Redaktion jeden Artikel von Hand rausschicken müsste. Dass hinter diesem Twitter-Roboter kein Mensch steht, wird dabei direkt im Account transparent gemacht.

Guter Bot, böser Bot

Will jemand im größeren Stil Bots einsetzen, benötigt er viele Accounts. Solche Accounts können automatisiert erstellt werden und sind im Internet in Tausenderpaketen gegen Geld erhältlich. Für den Preis der falschen Accounts gilt: Je menschlicher der Bot wirkt, desto teurer wird es. Vier Jahre alte Bots mit Profilbild, Biografie-Text und zahlreichen Freunden sind also mehr wert als der gerade erstellte Bot ohne Bild, ohne Text, ohne Follower und mit einem kryptischen Kontonamen wie „@xrg92120208383“ bei Twitter. Die Aktionen von Social-Media-Accounts lassen sich über eine Software steuern. So wird ein Social Bot daraus. Diese können Freundschaftsanfragen bei Facebook stellen, anderen Accounts folgen, Tweets bei Twitter retweeten oder einen Facebook-Post liken.

Einfache Social Bots dienen der künstlichen, maschinellen Relevanzzuweisung. Sie können beispielsweise bestimmte Themen oder Hashtags automatisiert verstärken. Diese künstliche Relevanzerhöhung kann durch die Berichterstattung von Medien („Auf Twitter ‚trendete‘ Kandidat XY“ oder „Politikerin XY hat 100.000 Follower“) noch einmal multipliziert werden. Wie oft ein Video auf YouTube angeschaut wurde, lässt sich mit Geld und Know-How genauso manipulieren wie die Menge von Freunden auf Facebook,

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