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09-05-19 02:15:00,

Bund und Länder haben sich in der Vorwoche auf die Anschlussförderung dreier Wissenschaftspakete verständigt. Der Hochschulpakt zur Finanzierung zusätzlicher Studienplätze wird auf Dauer gestellt, wirkt wegen seiner kümmerlichen Ausstattung aber wie ein Kürzungsprogramm. Eine Verbesserung der Studienqualität ist so wenig in Sicht wie ein Ende des grassierenden Befristungsunwesens beim Lehrpersonal. Eher droht sich die Lage weiter zu verschärfen. Dafür sattelt die Politik kräftig bei der Forschung drauf, um 120 Milliarden bis 2030. Von Ralf Wurzbacher.

Die Mangelverwaltung von Deutschlands Hochschulen läuft demnächst unter neuem Label: Was bisher der „Hochschulpakt“ war, heißt jetzt „Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken“. Das klingt schöner und verheißt allerbeste Absichten. Dagegen schwang bei „Pakt“ immer etwas von „Paktieren“ mit, so als kungelten Bund und Länder im Verborgenen aus, wie arglose Rektoren, Wissenschaftler und Studierende zu übervorteilen sind. Und genau das taten sie ja auch in den bisher zwölf Jahren, die es den Hochschulpakt gibt. Fakt ist: Unter dem Einfluss des 2007 aufgelegten Programms haben die Hochschulen massiv an Substanz verloren. In all der Zeit wurden sie immer voller und die Qualität von Studium und Lehre immer dürftiger.

Es hätte auch anders kommen können. Masse und Klasse müssen sich nicht notwendig ausschließen. Will man Studenten zu einem erfolgreichen Studienabschluss führen, muss der Staat reichlich Geld in die Hand nehmen und für optimale Lehr- und Lernbedingungen sorgen. Dafür braucht es zum Beispiel: bestmögliche Betreuung durch ausreichend Professoren und andere ordentlich bezahlte und motivierte Dozenten, eine moderne technische und räumliche Ausstattung, gut bestückte Bibliotheken, breite Beratungs- und Unterstützungsangebote durch die Studentenwerke, eine funktionierende Verwaltung. Und bei steigenden Studierendenzahlen braucht es von all dem eben mehr.

Billige Studienplätzchen

Mit dem Hochschulpakt gab es natürlich allerhand mehr. Bis zum Auslaufen der dritten Auflage im Jahr 2023 werden Bund und Länder zusammen über 38 Milliarden Euro in die Finanzierung von weit über einer Million zusätzlicher, also über dem Planungsstand des Referenzjahres 2005 liegender Studienplätze gesteckt haben. Treiber der Entwicklung waren insbesondere die doppelten Abiturientenabgänge infolge der Schulzeitverkürzung auf zwölf Jahre (G8), die kurzfristige Aussetzung der Wehrpflicht 2011 sowie die von der Politik nach der PISA-Schlappe ausgegebene Zielstellung, die Studierenden- und Absolventenzahlen signifikant zu erhöhen. Das hat fraglos hingehauen. Während man 2007 noch unter zwei Millionen Studierende zählte, werden die Hochschulen aktuell von fast 2,9 Millionen Menschen bevölkert.

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