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14-05-19 09:17:00,

Da ich immer wieder gefragt werde, wie man in Russland auf den Zweiten Weltkrieg blickt, habe ich einen Beitrag aus der russischen Sendung „Nachrichten der Woche“ von Sonntag übersetzt. In dem Beitrag ging es um den „Tag des Sieges über den Faschismus“, der in Russland jedes Jahr am 9. Mai aus Anlass des Kriegsendes gefeiert wird und der einer der drei wichtigsten russischen Feiertage ist.

Bevor wir zu der Übersetzung kommen, muss ich jedoch einiges vorweg schicken, damit der Beitrag für Menschen, die Russland nicht kennen, verständlich wird, denn es geht um Debatten in Russland, wie man mit diesem Feiertag umgehen soll.

Zunächst muss man wissen, dass es in Russland keinen Hass auf die Deutschen oder Deutschland gibt. In Russland wird streng getrennt zwischen den „Faschisten“ des Hilter-Regimes und den „Deutschen“. Ich war oft bei den Feierlichkeiten zum Kriegsende dabei und habe nie etwas Negatives erlebt, selbst wenn ich mich als Deutscher zu erkennen gegeben habe.

Wenn man mit Russen über den Zweiten Weltkrieg spricht, hört man oft folgende Einstellung: „Zwei Diktatoren haben sich gestritten und gelitten haben wie immer die kleinen Leute auf beiden Seiten.“

So erklärt sich auch, dass Russen einen Deutschen völlig verständnislos anschauen, wenn er sich des Krieges wegen schuldig fühlt. Für die Russen ist es unverständlich, dass sich ein Deutscher, der mit dem Krieg nichts zu tun hat und Jahrzehnte nach Kriegsende geboren wurde, sich deswegen schuldig fühlen kann. Schuldig sind für die Russen die Menschen, die für den Krieg die Verantwortung tragen und diejenigen, die gemordet haben. Aber nicht deren Nachkommen.

Die Sowjetunion hat in dem Krieg fast so viele Opfer zu beklagen gehabt, wie alle anderen beteiligten Länder des Zweiten Weltkrieges zusammen. Jede Familie hatte Opfer zu beklagen und bis heute weiß jedes Schulkind genau, was die Ur-ur-Großeltern im Krieg gemacht haben, wo sie gekämpft haben und wo sie gefallen sind. Diese Erinnerung wird in Russland sehr hoch gehalten.

Die Feierlichkeiten selbst sind ein Volksfest mit einer einmaligen Stimmung, die zwischen Gedenken und Feiern schwankt. Im Vorfeld werden in sozialen Netzwerken oder auch auf Plakaten Bilder von Veteranen verbreitet, auf denen zu lesen steht „Danke, Großvater, für den Sieg!“ Die Stimmung ist also generell positiv, man erinnert sich der Opfer, aber man feiert auch die Sieger.

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