lesungen-aus-einem-verbotenen-buch

16-05-19 09:51:00,

Beginnen wir mit einem Zitat. Die Schweizer Psychologin mit polnisch-jüdischen Wurzeln, Alice Miller, hat über Adolf Hitler das Folgende gesagt (1):

„Hitler kam, wie jedes Kind, unschuldig zur Welt, wurde von seinen Eltern, wie viele andere Kinder damals, destruktiv erzogen, und später hat er sich selbst zum Monster gemacht. Er war Überlebender einer Vernichtungsmaschinerie, die im Deutschland der Jahrhundertwende ‚Erziehung‘ genannt wurde und die ich als das verborgene KZ der Kindheit bezeichne, das nie erkannt werden darf.“

Über diese „Vernichtungsmaschinerie“, der Adolf Hitler und mit ihm eine ganze Generation unterworfen war, die das Kind im Menschen tötete, um es zu drillen, habe ich in den beiden ersten Teilen dieser Artikelreihe geschrieben. Diese Vernichtung an der Seele eines Menschen, so sie keine Aufarbeitung und nicht ein Mindestmaß an Heilung findet, schlägt irgendwann auf die Umwelt zurück, wenn der Betroffene sich nicht selbst auslöschen will.

Kinder wurden von Anfang an zu Soldaten erzogen. Sie wurden erzogen, um für etwas außerhalb von ihnen zu funktionieren. Damit wurde ihnen die jedem Menschenkind innewohnende Einzigartigkeit ausgetrieben und durch eine Normierung ersetzt. Von Anfang an lernten Kinder, sich ihre Identifikation, ihren Selbstwert, nicht etwa aus der Einzigartigkeit des Ichs zu entnehmen, sondern von vorgegebenen Idealen, von ethisch-moralisch aufgepeppten Handlungsanweisungen.

Hinter dieser künstlich geschaffenen Ethik und Moral konnten die größten Schweinereien, die schlimmsten Abgründe menschlichen Handelns versteckt werden. Der unbedingt einzuhaltende Kodex, der durch die Autoritäten als anerkannte Vertreter dieser fremdbestimmten Moral vorgegeben wurde, machte die Selbstverleugnung möglich. Menschen mit gleichgesinnter Fremdbestimmung fanden sich auf diese Weise als Opfer verbunden wieder und bildeten so äußerst fragile soziale Gemeinschaften.

Soziale Gemeinschaften sind ein Muss, sonst stirbt der Mensch. Menschen aber, die nicht gelernt haben, autonom zu denken und zu handeln, denen das bereits als Kind ausgetrieben wurde, bilden diese Gemeinschaft nicht konstruktiv selbst, sondern suchen Gruppen, denen sie sich anschließen können. Ein Hauch von Wärme und Zuneigung innerhalb dieser Gruppe kann rasch Abhängigkeiten erzeugen. Angst vor dem Verlust dieser ersehnten Wärme und Schuld in Unterwerfung bestimmt das Leben.

Oder aber es gelingt die Führerschaft innerhalb der Gruppe und damit die Akzeptanz durch die Masse. Auch das ist eine Art Liebe, besser ein Ersatz dafür. Herrschen oder beherrscht werden, darum geht es und beide Gruppen leiden darunter.

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