die-maschinen-gefuhle

17-05-19 07:08:00,

Eine Straße laufender, leuchtender Werbebilder. Links und rechts riesige beleuchtete Reklametafeln. In den Läden noch mehr Produkte der Technokraten aus dem Silicon Valley. Das ist die Vision derer, die unsere Zukunft am Computer designen und die uns Menschen für so unvollständig halten, dass wir all diese Technik brauchen, um vollkommen zu werden. Doch wo sind die Menschen, für die diese Zukunft entsteht? Sie starren mit eckigen Augen auf die Leuchttafeln vor ihren Köpfen und spüren nur noch etwas vom Leben, wenn Schauspieler Gefühle auf dem Bildschirm imitieren. Solche Szenen kannten wir einst von gruseligen Science-Fiction-Filmen — sie sind aber längst schon traurige Realität geworden.

Man hat sich eben daran gewöhnt, weil das wohl der normale Lauf der Dinge ist. Doch die Dinge laufen nicht von selbst. Sie werden bewegt. In unserer Welt oftmals von Menschen oder von Maschinen, die von Menschen gemacht wurden. Also: Um wen geht es hier eigentlich? Wer bewegt eigentlich die Welt? Wer möchte sich durch die äußere Entwicklung der Technik vor seinem eigenen inneren Fortschritt verstecken? Wer hat Angst vor sich selbst und vor dem, was in ihm lebt?

Dies ist ein Aufruf an die Menschen, innezuhalten und mehr Menschlichkeit zuzulassen. Wollen wir eine solche Welt, wie sie gerade entsteht — eine Welt, die den Menschen der Maschine gleichmacht?

Ist es wirklich diese digitale Welt, die unsere Herzen höher und schneller schlagen lässt? Wir erleben seit der industriellen Revolution einen stetigen Fortschritt der Technik. Doch wo bleibt die Entwicklung des Menschen? Warum gibt es immer noch Krieg, Flucht, Ausbeutung und Sklaverei auf der Welt? Warum tangiert das viele von uns kaum noch? Wie können wir all die schrecklichen Bilder aus den täglichen Nachrichten ertragen? Wie kann uns all das egal sein?

Der Grund dafür scheint ein Syndrom zu sein, das wir Menschen uns als Überlebensstrategie angeeignet haben. Ohne dieses Syndrom würden wir all die Schmerzen spüren, die wir unseren Mitmenschen und der Erde antun, und das könnten wir nicht ertragen. Die Rede ist vom Empathie-Defizit-Syndrom, kurz EDS, unter dem fast die gesamte Menschheit zu leiden scheint. Die digitale Welt, Drogen, aber auch die Vereinnahmung durch viel Arbeit helfen dabei, die Gefühle, die eigentlich in uns sind, abzutöten. Wir leiden am EDS und sehen keinen Ausweg mehr; wir scheinen in einer kollektiven Depression gefangen und haben uns und den Planeten an den Rand des Suizids gebracht.

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