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Erste Veröffentlichung: Der Europäer Zeitschrift Jg.21-Nr.8 Juni 2017

Am 25. März 2017 feierte die EU ihren 60. Geburtstag: die Unterzeichnung des (ersten) Römischen Vertrags im Jahr 1957 durch Vertreter aus sechs Ländern. Diese wurden mit der Unterzeichnung zu Gründerstaaten der EWG, der Vorläuferin der heutigen EU. Im Ganzen handelte es sich um Phase II des “Europäischen Projektes”, dessen Anliegen darin bestand, die Vereinigten Staaten von Europa zu schaffen. Phase I hatte sieben Jahre zuvor in der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS 1950) bestanden. Die Unterzeichnungszeremonie fand im Palazzo dei Conservatori auf dem Kapitol-Hügel von Rom statt. Als Veranstaltungsort hatte man hier nicht nur den zentralen Punkt der einstigen römischen Republik und des römischen Imperiums gewählt, gelegen auf einem Hügel, auf dem im 6. Jahrhundert v. Chr. ein dem Jupiter Optimus Maximus Capitolinus geweihter Tempel errichtet worden war. Auch der Name des Ortes war wohlgewählt: Palazzo dei Conservatori. Im Mittelalter waren die Conservatori Gemeindebeamte, deren Aufgabe (die Bezeichnung verrät es) darin bestand, die Denkmäler des antiken Roms zu erhalten. Ein ausgesprochen passender Name also für den Ort der Unterzeichnung zweier Verträge, die darauf zielten, ein Gebilde auferstehen zu lassen, das Rudolf Steiner das “Gespenst des Romanismus”1 nannte – das ‘Römische Weltreich’ unserer Zeit, vergleichbar mit der Größe des einstigen Roms, einschließlich Regionen von Europa, die die Römer selbst nie besucht oder gar erobert hatten.

Interessanterweise bestand das Unterzeichnungsdokument des Römischen Vertrags von 1957 lediglich aus leeren Blättern, die zwischen Titel- und eine Signierungsseite eingelegt waren! Grund hierfür waren Pannen beim Druck. Der britische Historiker Tony Judt weist darauf hin, dass „man die Bedeutung des Vertrages von Rom nicht überschätzen dürfe. Der Vertrag enthielt größtenteils bloß Darlegungen guter Vorsätze für die Zukunft… Der Text formulierte über lange Abschnitte hinweg Rahmenbedingungen zur Institutionalisierung von Abläufen, die später einmal dazu dienen sollten, rechtliche Verfügungen um- und durchzusetzen. Die einzige bedeutsame Neuerung – nämlich die Schaffung eines Europäischen Gerichtshofs nach Art. 177, dem die verschiedenen nationalen Gerichtshöfe Fälle zur finalen Urteilsfindung vorlegen würden – erwies sich zwar in späteren Jahrzehnten als immens wichtig, blieb aber zur Zeit der Vertragsunterzeichnung wenig beachtet.“2 Auch in den folgenden Jahrzehnten wurden viele Vereinbarungen verabschiedet, die vor dem Auge der europäischen Öffentlichkeit wenig Beachtung fanden,

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