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26-05-19 11:58:00,

Bild: Pixabay License

“Langweiliger” Wahlkampf ohne Youtuber – Umfragen vor der EU-Wahl sprechen von Gleichgültigkeit und Desillusionierung

Für Marine Le Pen steht nichts weniger als die Zivilisation zur Wahl. Natürlich geht es ihr dabei um die Migration. Sie spricht von einer “Einwanderungs-Überschwemmung” als Konstante einer europäischen Politik, die das Kennzeichen der Macht Macron in Frankreich sei.

Migration war in den letzten Wochen kein großes Thema in den Debatten der französischen Medien. Aber auch das Ibiza-Skandal-Video, wo mit dem FPÖ-Politiker Strache ein politischer Verbündeter Le Pens Federn lassen musste, wurde in Frankreich weitaus weniger ausführlich behandelt als hierzulande, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass das Video deutschen Medien zugespielt worden war und Österreichs Rechte in Deutschland eine andere Wichtigkeit haben.

Pathos

Auch gab es keine Youtuber, die die öffentliche Diskussion über die Politik alter Parteiapparate anheizten. Der Klimawandel hat zwar seit der Pariser Klima-Konferenz einen anderen Stellenwert im Nachbarland bekommen, aber in Deutschland wird das Thema um einiges erhitzter ausgetragen. Im Mittelpunkt der Debatten über die Europawahl steht das Abschneiden Macrons und der Ausgang des Zweikampfes zwischen seinem Wahlbündnis mit dem Kampagnentitel “Projekt Renaissance” und Le Pens Rassemblement national (RN).

Doch trotz des Pathos in beiden Lagern wird von einem langweiligen Wahlkampf vor den EU-Wahlen geschrieben. Niemals seit mindestens zwanzig Jahren sei der Wahlkampf vor einer europäischen Wahl “so mittelmäßig, so arm an Debatten und Ideen, ohne kräftige Linien, ohne klar ersichtliche Einsätze und Mut zum Risiko geführt worden”, beschreibt Médiapart die Lage. “Die Beobachtung ist einstimmig.”

Damit verbunden ist die Furcht vor einer Spaltung des Landes, die sich bei der heutigen Wahl erneut bemerkbar macht – und es ist nicht die Aufteilung in die beiden Lager “Demokraten” gegen “Populisten”, “Liberale” gegen “Anti-Liberale” oder “Pro-EU” und “EU-Gegner” oder ähnlichen plakativen Labels, sondern “Wähler” und “Nicht-Wähler”.

Mehrheit will nicht wählen

70 Prozent der 18- bis 34-Jährigen könnten der Wahl fernbleiben – und fast 60 Prozent aller Wahlberechtigten, berichtet der Figaro von Umfragen zur EU-Wahl. Zwar schließe sich der von Umfragen ermittelte Wert von durchschnittlich 57 Prozent Wahlenthaltungen fugenlos an die Beteiligungswerte der drei vorhergehenden EU-Wahlen an – für 2014, 2009 und 2004 gibt die konservative Zeitung 58 Prozent –

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