Späte Chancen

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12-06-19 08:32:00,

Älter werdende Menschen werden in der Öffentlichkeit oft verzerrt dargestellt. Beim Thema Rente zeigen Zeitungen fast immer Bilder von gebrechlichen, auf der Parkbank sitzenden Senioren, die mit knöchernen Händen einen Spazierstock halten. Oder der alte Mensch ist grauhaarig, geht über den Rollator gebeugt oder wird im Rollstuhl über den Gehweg geschoben, ist zudem langsam im Denken und schon ein wenig „tüdelig“.

Diesem Klischee des zunehmenden Verfalls ist entschieden entgegen zu treten, denn jeder Mensch, auch der Betagte, hat immer eine Würde: weil er Mensch ist, und es bis zu seinem Tode bleibt — auch dann, wenn er gebrechlich ist. Das Leben aller Menschen (gerade auch der Älteren) darf nicht dem ökonomischen Sachzwangdenken, sprich seiner reinen Funktionalität hinsichtlich eines Kosten/Nutzen-Denkens, unterworfen werden.

Der Jugendwahn, wonach der Mensch nach Aussehen und Leistungsfähigkeit beurteilt wird, darf nicht Maßstab des Zusammenlebens zwischen den Generationen sein, weil dann der Mensch selbst nicht mehr im Mittelpunkt steht, sondern die neoliberalen Regeln, denen er unterworfen ist.

Die Polarisierung von Jung gegen Alt, im Sinne von: „Wir müssen für die Alten schuften“, ist Gift für das Miteinander in einer Gesellschaft. Vielmehr bedarf es der beidseitigen Befruchtung: Die Jungen können sich an den Alten orientieren — weil diese mehr Lebenserfahrung haben —, und umgekehrt können Jüngere, beispielsweise hinsichtlich der Bedienung digitaler Arbeitsmittel, Älteren Hilfestellung geben. So können neue Räume der Begegnung geschaffen werden, die Alt, aber auch Jung, aus der Isolation, der Einsamkeit herausholen, und die Menschen ein Miteinander ermöglichen, das ihrer sozialen Natur gerecht wird.

Damit entstehen gerade für jüngere Menschen „reale“ Gegenwelten zu den oftmals oberflächlichen und distanzierten digitalen Welten. Hier können junge Menschen erfahren, dass das Leben im Alter sehr lebenswert sein kann. Das gibt den Jungen Hoffnung. Der Mensch entfaltet auch im Alter seine Kreativität im Austausch mit Jüngeren und umgekehrt.

In unserer Gesellschaft muss viel mehr über Chancen des Älterwerdens gesprochen werden. Ältere können ihr Erfahrungswissen weitergeben. Denken wir an das Ehrenamt, so sind es überwiegend Rentner, die sich auf kommunaler Ebene im Stadtrat für das Gemeinwohl engagieren.

Weitere Beispiele bieten Sportvereine, Lesepaten, Tafeln oder die Flüchtlingshilfe.

Hier gilt es schlummernde Potenziale zu wecken und gemeinsam Fähigkeiten zu entwickeln, wobei die Beteiligten oft gegenseitige Wertschätzung und Respekt füreinander erfahren.

Das soziale Miteinander können insbesondere — aber nicht ausschließlich — diejenigen fördern,

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