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13-06-19 08:32:00,

Eine international Reuters-Studie sieht sinkendes Vertrauen in Medien, steigende Abo-Müdigkeit und Nachrichtenabstinenz. Statt Nachrichten werden Unterhaltungsangebote wie Spotify oder Netflix abonniert

Schlechte Nachrichten für Nachrichtenmedien. Nach dem Digital News Report des Reuters Institute for the Study of Journalism, für den 17.000 Menschen in 38 Ländern von YouGov online befragt wurden, sinkt die Bereitschaft, für Online-Nachrichten zu zahlen. Smartphones und mobile Internetzugänge hätten die Geschäftsmodelle vieler Nachrichtenmedien während der letzten 20 Jahre zerstört und zu sinkenden Einkünften und Entlassungen geführt. Und dann wollen die Menschen angeblich nicht für Online-Nachrichten bezahlen, es habe in den letzten Jahren bestenfalls einen kleinen Zuwachs der Zahlungswilligen gegeben.

Nach einem “Jahrzehnt der digitalen Disruption” würden Nachrichtenmedien zunehmend versuchen, Zahlschranken einzuführen und Bezahlmodelle über Abos, Mitgliedschaften oder Spenden zu entwickeln. Zudem gebe es einen Hype über Podcasts und Sprachnachrichten etwa über Amazon Echo und Google Home. Aber es würde auch in einigen Ländern darüber nachgedacht, ob Qualitätsjournalismus in Zukunft noch machbar sein wird. Zwar würden in nordeuropäischen Ländern mehr Menschen bereit sein, für Online-Nachrichten zu zahlen, ein Problem aber ist, dass in der Regel nur ein Online-Abo gezahlt wird. In Deutschland sagen 70 Prozent von denjenigen, die für Online-Nachrichten zahlen, dass sie nur ein Abo haben, nur 10 Prozent sind bereits für drei oder mehr zu zahlen. Das fördere große Medien und benachteilige kleinere.

Die Rede ist auch von einer sich ausbreitenden Abo-Müdigkeit in vielen Ländern. Die könnte gerade bei Online-Nachrichtenmedien verstärkt werden, wenn die Nutzer zunehmend auf mehr Bezahlschranken stoßen und davon abgeschreckt werden bzw. zu Angeboten von Nachrichtenaggregatoren wie Apple News gehen, von denen sie gegen ein Abo auf mehrere Nachrichtenmedien zugreifen können.

Unterhaltung statt Nachrichten

Wenn Abos noch begonnen werden, dann eher im Unterhaltungsbereich wie bei Netflix oder Spotify. Von den Unter-45-Jährigen würden sich nur 7 Prozent für ein Abo von Online-Nachrichten entscheiden, wenn sie nur ein Online-Abo auswählen könnten. 37 Prozent würden sich für Online-Video wie Netflix und 15 Prozent für Online-Musik wie Spotify entscheiden.

In neun Ländern, in denen die Zahl der für Nachrichten zahlenden Nutzer (Abos, Mitgliedschaften, Spenden, Einmalzahlungen) seit 2013 erhoben, ist deren Zahl bei 11 Prozent stabil geblieben: “Die meisten Menschen sind nicht bereit, für Online-Nachrichten zu zahlen. Nach den gegenwärtigen Trends werden sie wahrscheinlich auch nicht in der Zukunft zahlen,

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