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13-06-19 08:32:00,

Die irische Billigbekleidungskette Primark begeht heute ihr 50-jähriges Firmenjubiläum. Kein Grund zum Feiern. Als Wegbereiter der „schnellen Mode“ hat der Konzern maßgeblich dazu beigetragen, dass Schuhe, Röcke und Hosen zum Massenkonsumartikel verkommen sind und ihre Produktion schlimmen Schaden für Mensch, Gesellschaft und Natur anrichtet. Leiden müssen darunter vor allem die Ausgebeuteten in den „Armenhäusern“ der Welt, die entrechtet, schutzlos und zu Hungerlöhnen in den Fabriken Asiens und Afrikas die Sneaker der westlichen Wohlstandsteenies zusammennähen. Eine Studie der Christlichen Initiative Romero zeigt das Elend am Beispiel Sri Lankas auf. Von Ralf Wurzbacher.

Herzlichen Glückwunsch! Der irische Bekleidungsdiscounter Primark wird 50. Am 13. Juni 1969 erblickte die erste der weltweit inzwischen bald 400 Filialen in Dublin unter dem Namen Penneys das Licht der Welt. Wenn das kein Anlass ist, Danke zu sagen. Danke für: das T-Shirt zu 2,50 Euro, das kurze Schwarze zu acht Euro oder die Herrenjeans zu 14 Euro. Danke dafür, dass Einkaufen keine lästige Pflicht mehr, sondern mit dem Shoppen zum tollsten Hobby geworden ist. Danke für alle Teenies, die ihr Taschengeld heute für Klamotten verpulvern, die morgen schon wieder out sind. Deshalb Danke auch für monströse Müllberge, chemieverseuchte Böden, faserdurchtränkte Ozeane, zig Millionen Tonnen Treibhausgase und vieles mehr, was sich mit Geld gar nicht bezahlen lässt – schon gar nicht mit kleinem.

Nicht in Feierlaune ob des runden Firmenjubiläums ist die Christliche Initiative Romero (CIR). Am Dienstag legte der Menschenrechtsverein aus Münster eine Art Schwarzbuch Primark vor. Auf knapp 80 Seiten breitet das „Dossier Fast Fashion“ ein gewaltiges Sündenregister aus, angefangen mit den erbärmlichen Produktions-, Lohn- und Arbeitsbedingungen, unter denen der Konzern in Fernost seine „Wegwerfmode“ fertigen lässt, über seine auf schnellen und maximalen Profit ausgerichtete Einkaufspolitik bis hin zu den ökologischen Verheerungen, die die westliche Textilindustrie global und insbesondere in den „Armenhäusern“ dieser Welt anrichtet.

„Achtung vor dem Menschen“?

Man erinnert sich: Nach dem Einsturz des Fabrikgebäudes Rana Plaza in Sabhar in Bangladesh vor sechs Jahren, bei dem über 1.100 Menschen zu Tode kamen, war in der Branche hektische Betriebsamkeit ausgebrochen. In der Folge versprach eine Reihe US-amerikanischer und europäischer Unternehmen, die ihre Schuhe und Kleider von Auftragnehmern aus der Region produzieren lassen, sich stärker für die Einhaltung grundlegender Menschen- und Beschäftigtenrechte auf allen Stufen der Lieferketten zu engagieren.

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