arroganz-und-ignoranz-sind-die-beste-werbung-fur-die-afd

14-06-19 09:26:00,

Die herbstlichen Landtagswahlen in drei ostdeutschen Bundesländern drohen Umfragen zufolge zu einem Achtungserfolg der AfD zu werden. Doch anstatt sich mit den Gründen für die offensichtliche Unzufriedenheit mit der Politik der etablierten Parteien auseinanderzusetzen, zu denen im Osten auch die Linke gehört, übt sich der politisch-mediale Sektor schon jetzt einmal in vorzeitiger Wählerbeschimpfung. Anja Meier giftet in der taz über die „verächtliche Haltung“ der Ostdeutschen, die trotz unserer „schönen Steuermilliarden“ ihrer „kommoden Diktatur nachtrauern“ und Mark Schieritz fordert in der ZEIT sogar, man solle „den Osten ignorieren“ und sich auch ansonsten nicht von „abgehängten Regionen“ irgendwelche Themen aufzwingen lassen. Derlei triefende Arroganz und Ignoranz sagt einiges über das Demokratieverständnis der Hauptstadtjournalisten aus und ist schlussendlich die beste Werbung, die die AfD sich vorstellen kann. Von Jens Berger.

Wähler ist nicht gleich Wähler, Unzufriedenheit ist nicht gleich Unzufriedenheit. Als bei den Europawahlen 20 Prozent der Wähler ihr Kreuz bei den Grünen machten, war dies sicher auch eine Folge der Unzufriedenheit mit der Umwelt- und Klimapolitik der Regierungsparteien. Könnten Sie sich aber vorstellen, dass die ZEIT einen Leitartikel abdruckt, in dem einer ihrer Redakteure die Politik aufruft, diese „Grünfinken“ aus den „urbanen Regionen“ zu ignorieren, da die Politik sich nicht einer Minderheit, die Nichtwähler einbezogen ja gerade mal 10 Prozent der Bevölkerung entspricht, irgendwelche Themen aufzwingen lassen darf? Sicher nicht, den Unzufriedenheit die dazu führt, dass junge, urbane Akademiker die Grünen wählen, ist offenbar „gute Unzufriedenheit“, während Unzufriedenheit, die dazu führt, dass alte, meist ärmere Menschen auf dem Land die AfD wählen, eine „schlechte Unzufriedenheit“ ist. Klar, wenn man selbst ein junger urbaner Akademiker ist, der in Harvard und an der London School of Economics Volkswirtschaft studiert hat und bei der elitär-linksliberalen ZEIT über Wirtschaftspolitik schreibt, kann man das so sehen – zumindest dann, wenn man sich selbst und seine Bubble für den Nabel der Welt hält.

Und genau das ist das Problem mit dem Hauptstadtjournalismus. Elitäre Schnösel schreiben darüber, wie elitäre Schnösel die Welt sehen und was sie sich von der Politik wünschen. Demokratie ist in diesem Selbstverständnis dann die hohe Kunst, den Rest des Volkes alle vier oder fünf Jahre sein Kreuzchen bei der „richtigen“ Partei machen zu lassen. Was richtig oder falsch ist, entscheiden natürlich die Vordenker in den Redaktionsstuben. Was wissen denn René aus Sachsen und Mandy aus Brandenburg schon von echter Politik?

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