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14-06-19 01:04:00,

Willy Wimmer interviewt von Alexander Sosnowski

Eine Buchbesprechung von Wolfgang Bittner.

Versailles – das ist heute unter Historikern nahezu einhellige Meinung – war schicksalhaft für Deutschland. Mit dem demütigenden und ruinösen Vertrag von Versailles, der Hitler zur Macht verhalf, begann der Untergang des Deutschen Reiches. Die Militärführung hatte, vertrauend auf den 14-Punkte-Plan des amerikanischen Präsidenten Wilson, der einen „gerechten Frieden“ versprach, nach dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 sämtliche Waffen an die Alliierten abgegeben und sich damit auf Gedeih und Verderb in die Hände der Siegermächte begeben. Der französische Marschall Ferdinand Foch triumphierte, jetzt sei Deutschland den Siegern auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Erpressung und Drohungen, in Deutschland einzumarschieren hatten zur Folge, dass den Vertretern des Deutschen Reichs nichts anderes übrig blieb, als am 28. Juni 1919 den Versailler Vertrag mit seinen übermäßig harten Bedingungen (unter Protest) zu unterschreiben und damit die Alleinschuld Deutschlands am Ersten Weltkrieg zu bestätigen.

Der Publizist Alexander Sosnowski und der Sicherheitsexperte und Staatssekretär a. D. Willy Wimmer haben jetzt einen Interview-Band mit dem Titel „Und immer wieder Versailles“ veröffentlicht, der Untertitel lautet: „Ein Jahrhundert im Brennglas.“ Schon in seinem Vorwort schreibt Wimmer, das Jahr 2019 lade zur Rückbesinnung ein: „Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg, Kalter Krieg – alles Geschichte, oder was? Nein, denn Gras darüber wachsen zu lassen wäre nur angebracht, wenn uns die Entwicklung den Frieden beschert hätte. Doch die Konferenz von Versailles vor genau einhundert Jahren sollte diesem Zweck nicht dienen.“

Auf die bedeutsame Frage Sosnowskis nach dem angelsächsischen Einfluss „auf die Geschichte und Geschicke Deutschlands“ sagt Wimmer, das sei ein zentraler Punkt. Deutschland sei angeblich „ein Hort des Militarismus“ gewesen, doch im Vergleich zu den Briten und Franzosen „waren wir die friedlichste Nation in Europa.“ In der Zeit zwischen 1871 und 1919 habe Deutschland eine Geistesblüte erlebt, von der Europa „etwa in den Bereichen Medizin und Technik noch immer zehrt. Auch sozial waren wir mustergültig und zeichneten uns zudem durch eine bewundernswerte Wirtschaftsleistung aus.“ Das aber habe „die angelsächsischen und französischen Kreise offenbar so sehr gestört, dass sie meinten, diesem prosperierenden kaiserlichen Deutschland etwas entgegensetzen zu müssen“.

Darauf geht Wimmer später noch genauer ein. Bereits lange vor 1914 sei eine Koalition gegen das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn gebildet worden,

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