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11-07-19 09:07:00,

Gerettete Flüchtlinge der «Sea Watch 3»: Der rot umrandete Ausschnitt wird auf Facebook verbreitet © Screenshot und Bearbeitung: Correctiv

Der Beitrag auf der Facebook-Seite «Befreiter Blick» vom 1. Juli 2019. (Screenshot und Schwärzung: Correctiv)

Das Originalbild aus dem Video von Notizie.it auf dem Portal «Dailymotion» zeigt, dass auch Frauen unter den Geretteten sind. (Screenshot Correctiv)


Alice Echtermann, Correctiv / 11. Jul 2019 –

Das Foto zeigt Menschen auf der «Sea-Watch 3» – aber der Bildausschnitt führt in die Irre.

Die Facebook-Seite «Befreiter Blick» verbreitet ein Foto, das die geretteten Menschen an Bord des Schiffes «Sea-Watch 3» zeigen soll. Auf dem Bild ist eine Gruppe Männer zu sehen. Es wurde mehr als 2800 Mal geteilt. 

Der Beitrag auf der Facebook-Seite «Befreiter Blick» vom 1. Juli 2019. (Screenshot und Schwärzung: Correctiv)

Der Kommentar der Seite «Befreiter Blick» dazu lautet: «Hier eine Aufnahme der kürzlich ‘geretteten’ Frauen und Kinder von der SeaWatch3…». Da der Bildausschnitt nur Männer zeigt, wird mit dem Satz impliziert, es seien gar keine Frauen oder Kinder an Bord des Schiffes gewesen.

Doch das stimmt nach Angaben von «Sea-Watch» nicht. Das Originalbild stützt die Darstellung der Organisation. Laut «Sea-Watch» wurden am 12. Juni insgesamt 53 Menschen vor der Küste Libyens aufgenommen, «unter ihnen 9 Frauen, 39 Männer, 2 Kleinkinder und 3 unbegleitete Minderjährige». Einige «besonders schutzbedürftige Personen» durften an Land gehen noch bevor die «Sea Watch 3» im Hafen der sizilianischen Insel Lampedusa anlegte. Medien wie Spiegel Online berichten von 13 Menschen, darunter «Frauen, Kranke und Kinder», die vorzeitig an Land gebracht wurden. In Lampedusa verliessen Medienberichten zufolge etwa 40 Menschen das Schiff.

Bildausschnitt taucht auf ungarischer Webseite auf

Eine Bilder-Rückwärtssuche führt zunächst zur ungarischen Webseite Vadhajtasok. Dort wird in einem Artikel vom 1. Juli über die Kapitänin Carola Rackete berichtet. Und es ist der gleiche Bildausschnitt zu sehen, der auf Facebook verbreitet wird. Darunter steht: «’Hungrige, arme Flüchtlinge’ auf dem Schiff Sea-Watch 3». Die Worte «hungrig, arm» sind in Anführungszeichen gesetzt, womit wohl angedeutet werden soll, die abgebildeten Menschen seien eben dies nicht.

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