gretas-schrei-nach-liebe

12-07-19 09:55:00,

Zur Einleitung ein hochinteressantes Zitat von Greta Thunberg:

„Es hat den Anschein, dass Geld und Wachstum unsere einzige Sinnerfüllung sind“ (1).

Damit spricht sie ein fundamentales systemisches Problem der heutigen menschlichen Gesellschaften an. Die Frage aber, die sich mir dabei stellt, lautet: Aus welcher Erfahrung, welchem Wissensschatz heraus, fällte eine schwedische Schülerin dieses vernichtende Urteil?

Denn ich meine, dass dahinter nicht das systemische Wissen über die Ideologien und politischen Verflechtungen einer komplexen Wachstumsgesellschaft samt dem damit gekoppelten zinseszinsbasierten Geldsystem stecken kann. Viel eher vorstellbar erscheint mir doch eine ganz persönliche Erfahrung dieses Mädchens — welche ist es?

Vor Wochen beschäftigte ich mich bereits intensiv mit dem medialen Schaumschlagen um das „bedrohte Klima“. Die geradezu groteske Kampagne, die in uns die Illusion wecken soll, einen Ruck in der Gesellschaft zu erzeugen, mit dem nun endlich wirklich etwas „für das Klima“ getan wird, führte tatsächlich zur Darbietung von der durch die große Politik vorgefertigten angeblichen Lösungen und änderte augenscheinlich nichts an der grundsätzlichen, gesellschaftlichen Herangehensweise des Einfach-weiter-so. Eines Weiter-so, dass die Politik sich schon kümmere und wir nur unseren Führern und deren Experten vertrauen zu brauchen (a1).

Das aber soll an dieser Stelle nicht erneut das Hauptthema sein. Vielmehr halte ich es für angebracht, sich mehr mit dem Menschen, dem Noch-Kind Greta Thunberg selbst zu befassen. Ihr mit Achtung zu begegnen und ihr Handeln zu verstehen, wie auch das ihrer Nächsten, das ist die Herausforderung. Denn über diesen Weg lernen wir möglicherweise etwas über uns selbst.

Immer deutlicher fallen mir in diesem Zusammenhang wiederkehrende Verhaltensmuster auf.

Wir glauben, den jeweiligen Menschen — ein einzigartiges, fühlendes Wesen — in drei Sätzen zu erkennen und mischen uns mit unseren Vorurteilen ein Bild zurecht, das wir bequem in einer Schublade versenken können.

Wir gleichem mit dem ab, was in unseren Köpfen als bildhafte Geschichten abgespeichert ist, aber wir haben ein Problem, wertfrei neue Geschichten zuzulassen. Wir haben Angst um unsere, uns Halt gebenden, gespeicherten Bilder.

Wenn wir uns jedoch prinzipiell die Mühe ersparen, die darin besteht, Menschen tatsächlich zu verstehen — und zwar ohne die Bewertung, einschließlich Auf- und Abwertung — können wir auch das Systemische nicht verstehen. Bewertung ist ja Kategorisierung. Kategorisierung erzeugt Schubladen.

Was wissen wir über Greta Thunberg?

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