Werkzeug des Friedens

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26-07-19 11:50:00,

Metallica — hinter den einfachen Lettern steht ein wegweisendes Projekt im Süden Frankreichs, nicht weit von der Katharerstadt Albi entfernt (1). Auf der Suche nach einem geeigneten Ort für ein Ausbildungszentrum in metallverarbeitenden Berufen stießen Mayn Séry und Christian Moretti vor 20 Jahren auf ein besonders erzhaltiges Gelände in der abgeschiedenen Hügellandschaft des Tarn. Sie erstanden die leerstehenden Gebäude einer alten Schafzucht und gründeten ein Zentrum, in dem es um weit mehr als die Herstellung und Verarbeitung von Metall geht. Hier wird vor allem Autonomie gelehrt (2).

Ich weiß nicht, was mich erwartet, als ich unter der mächtigen, schwungvoll geschmiedeten und dicht von Glyzinien und Kiwiranken bewachsenen Pergola vor den meterdicken Mauern des alten Gutshauses sitze und in die weite und weiche Hügellandschaft blicke. Und obwohl ich mit einem Goldschmied zusammenlebe, weiß ich so gut wie nichts über die Bearbeitung von Metall.

Damit bin ich nicht allein. Heute ist kaum noch jemand dazu in der Lage, autonom Mineralien zu Metall zu verarbeiten. Schon im Mittelalter wurden die kleinen handwerklichen Rennöfen, die es in jedem Weiler gab, von zunehmend industriell funktionierenden Hochöfen verdrängt. Das Wissen um die Herstellung und Verarbeitung von Metall entglitt der breiten Masse und konzentrierte sich in den Händen einiger weniger. Den besitzenden Klassen ging es weniger um Werkzeug und Gefäße als vielmehr um die Kontrolle über die Produktion von Waffen und Kriegsgerät.

Was in den Geschichtsbüchern als Fortschritt dargestellt wird, ist für Christian Moretti die gezielte Enteignung kollektiven Gutes. So wie die Metallverarbeitung gaben wir nach und nach auch alles andere handwerkliche Können aus der Hand. Heute sind wir, die Bewohner der Industriestaaten, in keinem einzigen Lebensbereich mehr autonom. Wir hängen vollständig von Produkten und Dienstleistungen ab, die wir kaufen müssen.

Wer von uns weiß noch, wie man eigenhändig etwas herstellt? Viele sind nicht mehr dazu in der Lage, ein Feuer zu entfachen, ein Huhn zu schlachten, geschweige denn ein Messer herzustellen. Wer weiß noch, wie man einen Nutzgarten anlegt?

Wer kennt sich noch mit Heilkräutern aus? Alles ist darauf ausgerichtet, uns vom Know-How einiger weniger Global Player abhängig zu machen und die Erfüllung unserer Bedürfnisse und Wünsche an Spezialisten abzugeben.

Dafür, dass wir unser Können aus der Hand gegeben haben, bezahlen wir einen hohen Preis. Wir können nur noch als Konsumenten mitreden.

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